Über die gestern bekannt gewordene Verschiebung der Vertragsanpassung für Hunderte Horterzieher zeigt sich der tlv thüringer lehrerverband erbost. „Am Ende des Schreibens aus dem Ministerium wird um Verständnis geworben“, so der tlv-Landesvorsitzende Rolf Busch. „Aber wir haben keine Spur Verständnis für dieses massive Versäumnis der Landesregierung gegenüber unseren Erzieherinnen und Erziehern.“

Die Thüringer Schulleiter waren gestern mit einem Schreiben darüber informiert worden, dass die von den derzeit nur mit 50 Prozent beschäftigten Erziehern beantragte Erhöhung des Beschäftigungsumfangs auf 60 Prozent zum 01.01.2018 nicht umgesetzt werden kann. Als Grund wurde ein fehlender Haushaltsbeschluss für das Jahr 2018 angegeben. Die Schulleiter mögen dies „in geeigneter Form den betroffenen Erzieherinnen und Erziehern vermitteln“, so die Aufforderung.

Vorangegangen war dem eine Zusage in einer der Medieninformation des TMBJS vom 6. Mai 2017, in der es hieß: Alle Beschäftigten mit halben Stellen erhalten das Angebot, auf 60-Prozent-Stellen aufzustocken. Das ist ein erheblicher Schritt zur Herstellung guter Arbeitsbedingungen. Wir entwickeln die Thüringer Schulhorte weiter. Dass es mehr als ein halbes Jahr später nicht gelungen ist, diese aus Sicht des tlv immer noch zu geringe Zusage umzusetzen, sieht der Verband sehr kritisch. „Damals haben wir die Neuigkeit als einen Schritt in die richtige Richtung begrüßt“, so Busch. „Leider war selbst dieser vorsichtige Optimismus verfrüht.“

Problematisch sei die Situation auch deshalb, weil im Landtag gestern das Thüringer Gesetz über die Neuregelung der Kindertagesbetreuung beschlossen worden ist. Dieses sieht nicht nur das beitragsfreie letzte KiTa-Jahr vor, sondern auch eine Verbesserung des Personalschlüssels. In der Konsequenz bedeute das, dass dann auch in den KiTas die Erzieher dringend gebraucht würden, die schon jetzt in den Grund- und Gemeinschaftsschulen fehlen. „Freilich sind hier die Arbeits- und Lohnbedingungen wesentlich schlechter, sodass die Schulämter bereits jetzt kaum Erzieher finden, die sie zu den genannten Bedingungen einstellen können. Wer kann, wandert zum Kindergarten ab, freiwerdende Erzieherstellen in den Schulen können nicht besetzt werden. Die vorhandenen Löcher in der Personaldecke werden immer größer. Aus Sicht der Beschäftigten sind die Bedingungen im Hort das reinste Desaster.“

Der tlv fordert deshalb die umgehende Durchsetzung der Erhöhung der Beschäftigungsumfänge der Erzieher an den schulischen Einrichtungen, auch im Vorgriff des noch nicht beschlossenen Haushaltsplanes. Außerdem hält der Verband an seiner ursprünglichen Forderung fest, perspektivisch einen Stellenumfang von mindestens 70 Prozent für alle Horterzieher anzubieten.