Mit seinem heutigen Urteil fordert das Bundesverfassungsgericht eine Weiterentwicklung des Zulassungsverfahrens für Medizinstudienplätze. Der Medizinische Fakultätentag plädiert schon geraume Zeit dafür und hat gemeinsam mit der Bundesvereinigung der Medizinstudierenden eine Ergänzung der Abiturnote als Zulassungskriterium durch weitere zentrale Testverfahren empfohlen.

„Eine Auswahl der am besten geeigneten Studienbewerber und Studienbewerberinnen nach transparenten Kriterien ist ganz in unserem Sinne“, so Prof. Dr. Orlando Guntinas-Lichius, Studiendekan der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Dass die Abiturnote, die vom Gericht auch nicht grundsätzlich infrage gestellt wurde, eines der Kriterien sein sollte, entspricht bisherigen Untersuchungen zum Studienerfolg und den Erfahrungen der Hochschullehrer.

Ein Aspekt der in der Kritik stehenden Ortspräferenz ist, dass ein Teil der Bewerber wohnortnahe Studienorte auswählte und auch als Absolventen in der Region blieben. In Thüringen ist dieser Effekt durchaus gern gesehen, ein geändertes Zulassungsverfahren muss sicherstellen, dass die zugelassenen Bewerber ihr Studium auch aufnehmen.

Die vom Verfassungsgericht angemahnten Standards für das Auswahlverfahren müssen nun zügig entwickelt und in die bundesweiten und die länderhoheitlichen Gesetzgebungen gefasst werden. Die Durchführung von Eignungstests muss entsprechend materiell und personell ausgestattet sein, insbesondere, wenn Sie an den Hochschulen durchgeführt werden.

Prof. Guntinas-Lichius: „Es ist unsere Aufgabe, die Studierenden zu guten Ärzten auszubilden. Wir in Jena haben gerade mit großem Aufwand den zweiten Studienabschnitt komplett reformiert, um das Studium praxisorientierter zu gestalten und die Absolventen noch besser auf die gestiegenen Anforderungen an die berufliche Tätigkeit als Arzt oder Wissenschaftler vorzubereiten.“

An der Friedrich-Schiller-Universität Jena sind insgesamt fast 2000 Medizinstudierende immatrikuliert, für die jährlich zum 1. Fachsemester neu zu vergebenden 260 Medizinstudienplätze gibt es etwa 8000 Bewerbungen.