Jena. Seit mehr als einem halben Jahr muss eine Mieterin in Zwätzen ohne Heizung und Wasserversorgung in ihrer Wohnung leben. Um Druck auf die zuständige Verwaltungsgesellschaft aufzubauen, haben heute ca. 30 solidarische MieterInnen und AktivistInnen an einer „Lärm-Kundgebung“ teilgenommen.

Die Initiative „Recht auf Stadt Jena“, die zu dem Protest aufgerufen hat, spricht von einem „skandalösen Fall von Entmietung“. Die DemonstrantInnen zogen mit Kochlöffeln und Töpfen, Tröten und Posaunen lautstark vom OBI-Baumarkt zur Verwaltungsgesellschaft Engelmann in der Löbstedter Straße, um dort begleitet von Musikbeschallung eine Kundgebung direkt vor den Räumen der Verantwortlichen abzuhalten.

„Nachdem es auf unsere schriftlichen Aufforderungen keine Reaktion seitens der Hausverwaltung gab, fordern wir sie nun nochmals öffentlich dazu auf, eine Heizungs- und Wasserversorung in der betroffenen Wohnung zu gewährleisten, die Räumungsklage und andere Einschüchterungsversuche zu beenden und endlich das Recht auf würdiges Wohnen anzuerkennen.“, sagt die Initiative Recht auf Stadt.

Auf Schildern und Transparenten wurde unter anderem eine „Stadt für Alle“ gefordert, ein Ende von „Mietenwahnsinn und Verdrängung“ und „warme Wohnungen statt kalte Entmietung“. Außerdem wurden Forderungszettel verteilt und ein menschengroßes Plakat mit der Aufschrift „Erster Preis in der Kategorie mieterInnenfeindlichste Verwaltung“ von einem Weihnachtsmann an den Zaun des geschlossenen Verwaltungsgebäudes gehängt.

Zu seiner Motivation für die Aktion sagte einer der Teilnehmer:

„Ich möchte hier heute deutlich machen, dass wir uns als BewohnerInnen dieser Stadt so ein mieterInnenfeindliches Verhalten seitens Hausverwaltungen und Eigentümern nicht gefallen lassen.“

Ein weiterer Teilnehmer erzählte in einem Redebeitrag von seinen negativen Erfahrungen mit der kritisierten Engelmann Verwaltungsgesellschaft: Auch er sei in seiner alten Wohnung mit repektlosem Verhalten und einer völlig gegenstandslosen Abmahnung konfrontiert worden.

Das „Alte Gut“ in Zwätzen gehört seit einigen Jahren der Immobilien Invest GmbH, die auf dem Gelände im Zuge umfassender Sanierungen 72 luxuriöse Familienwohnungen mit Tiefgarage entstehen lassen will. Die nun von dem Entmietungsskandal betroffene Frau ist die einzige noch verbliebene Mieterin in dem Gebäudekomplex. Die meisten ihrer ehemaligen NachbarInnen sind in den vergangenen Jahren und Monaten gegen eine Abfindung ausgezogen.

Dass es sich um eine klaren Fall von Entmietung handelt, ist inzwischen kaum noch zu übersehen.

„Erst kein Wasser und keine Heizung, dann eine völlig inakzeptable Räumungsklage – was sich hier abzeichnet ist der Versuch eines skrupellosen Eigentümers mit Hilfe einer rücksichtslosen Hausverwaltung eine Frau aus ihrer Wohnung zu vertreiben. Es ist einfach unglaublich, wie auf diese Weise Häuser zu profitablen Anlageobjekten erklärt werden! Für wen soll Wohnen sich denn lohnen?“, so die InitiatorInnen der Kundgebung.

Die betroffene Mieterin hat an der Aktion heute nicht teilgenommen. Schlimmer noch als die kalte Wohnung sei der psychische Druck und der Stress, den die Situation ihr bereite. „Ich will doch einfach nur in Ruhe in meiner Wohnung leben.“, sagt sie noch am Vorabend auf einem öffentlichen Vorbereitungstreffen für die Aktion und macht deutlich: „In Weihnachtsstimmung bin ich zur Zeit jedenfalls nicht.“

Es ist nicht verwunderlich, dass die MitarbeiterInnen der Verwaltungsgesellschaft heute nicht vor Ort waren. Sie scheinen die direkte Konfrontation zu meiden. Auch ein Banner, was in den vergangenen Wochen über das Bauprojekt in Zwätzen informierte, wurde offenbar im Vorfeld der Aktion entfernt.

„Insgesamt bewerten wir die Aktion als einen Erfolg, weil wir es geschafft haben auf einen beispiellosen Fall von Entmietung in Jena aufmerksam zu machen. Falls es nun erneut keine Reaktion der Verantwortlichen gibt, werden wir uns auf weitere Aktionen im kommenden Jahr vorbereiten“, resümieren die InitiatorInnen von Recht auf Stadt Jena.

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