Thüringer Pädagogen beklagen Überlastung
Tischner: Bildungsministerium ignoriert Hilfeschrei der Lehrer

Erfurt „Mindestens 200 Überlastungsanzeigen alleine in Ostthüringen relativiert das Bildungsministerium dreist zu Einzelfällen. Der Hilfeschrei der Lehrer wird einfach ignoriert.“ Das hat der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Christian Tischner, zu den am Samstag verbreiteten Agenturberichten gesagt, wonach hunderte Lehrer in Thüringen eine massive Belastung im Beruf beklagen. „Wenn fast fünf Prozent aller Lehrer in Ostthüringen dieses Zeichen setzen, zeigt dies eindeutig: Thüringen hat massive Defizite nicht nur bei den Neueinstellungen, sondern vor allem auch bei den Arbeitsbedingungen der erfahrenen Kollegen im System“, erklärte Tischner. Die offizielle Quote des Unterrichtsausfalls nannte Tischner „Hokuspokus“. Jeder, der in einer Schule arbeite oder Kinder in der Schule habe, wisse, dass die offizielle Statistik nicht der Realität entspreche. „Seit Monaten verspricht Herr Holter eine Überarbeitung der Erfassungsrichtlinien. Schuldig geblieben ist er sie bis heute“, kritisierte der CDU-Bildungspolitiker.

„Seit 2009 haben die Bildungsminister von SPD und LINKEN den Thüringer Lehrern zahlreiche zusätzlichen Belastungen zugemutet, die sich jetzt rächen“, verwies Tischner auf die Einführung von bilingualem, fächerübergreifendem, integrierendem, kooperierendem und gemeinsamem Unterricht, auf Kompetenzgespräche, Inklusion, die Beschulung von Flüchtlingskindern ohne Vorschaltklassen zum Spracherwerb und zusätzliche Bürokratie bei Klassenfahrten und Exkursionen sowie durch erweiterte Dokumentationspflichten. „Statt auf die Lehrer zu hören, die in erster Linie einen fachlich und methodisch guten Fachunterricht gewährleisten wollen, betreiben SPD und LINKE Schulentwicklung von oben“, lautet Tischners Kritik.

„Vertretungen und Mehrarbeit werden nicht anerkannt, die Folgen sind Krankheit und Überlastung“, so der Unionsabgeordnete weiter. Die CDU-Fraktion fordert deshalb die Kompetenztests abzuschaffen, Vertretungsstunden zu bezahlen, Unterrichtsausfall und Vertretungen ehrlich zu erfassen und Leistungsanreize für Lehrer zu schaffen. „Leistung muss sich auch für Lehrer lohnen“, ist Tischner überzeugt. Deshalb müsse auch das Beförderungssystem das Engagement der Lehrer wertschätzen, erneuerte der CDU-Abgeordnete seine Kritik an der Politik der Landesregierung, die Beförderungsmöglichkeiten in den Schulen massiv einzuschränken. Mit der rot-rot-grünen Neuregelung des Besoldungsgesetzes können Lehrkräfte künftig nur noch befördert werden, wenn sie die Funktion eines Schulleiters, eines stellvertretenden Schulleiters oder das Amt eines Oberstufenleiters an einem Thüringer Gymnasium innehaben.