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Erfurt. Die IG Metall Erfurt hat am Dienstag, den 09. Januar die Warnstreiks im Industriegebiet Erfurter Kreuz auf drei Unternehmen ausgeweitet. Bestreikt wurden die Unternehmen Tahles Transportation Systems, n3 Engine Overhaul Services und MDC Technology. Die Warnstreiks dauerten jeweils etwas mehr als eine Stunde. Für den Zeitraum der Warnstreiks ruhten die Arbeiten in den Unternehmen. Bei Thales beteiligten sich am frühen Vormittag 180 Beschäftigte. Bei n3 und MDC Technology waren es mittags 150 Metallerinnen und Metaller. Bei allen drei bestreikten Unternehmen kamen die Arbeiten für die des Warnstreiks zum Erliegen.

Bernd Spitzbarth, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Erfurt begründete noch einmal die Forderungen der IG Metall und ging dann auf den aktuellen Verhandlungsstand in Thüringen ein. „Dass die Arbeitgeber mit einer Unterschrift um die Ecke kommen, war nicht zu erwarten. Noch in der ersten Verhandlungsrunde rechnet Kaeser (Verhandlungsführer der Thüringer Arbeitgeber) vor, wo die Kostenneutralität liege. Demnach zwischen 3% und 3,5%. Auf dem Tisch werden dann 200 Euro Einmalzahlung und eine Erhöhung der Entgelte um 2% gelegt. Das ganze gebe es aber nur, wenn es bei der Arbeitszeitflexibilisierung Gegenleistungen gibt. Im Klartext, Arbeitszeitverlängerung nach Belieben der Arbeitgeber. Zeitsouveränität für die Beschäftigten, für Großeltern und Kinder Fehlanzeige. Das war wie ein Schlag ins Gesicht der Arbeitnehmer*innen, die den Erfolg der letzten Jahre mit ihrer Arbeit erwirtschaftet haben. Wer gesellschaftlich verantwortungsvoll agieren will, der darf nicht provozieren. Unsere Forderungen sind gerecht gesellschaftlich mehr als erforderlich. Für gute Lösungen werden wir uns jederzeit den Kampf stellen. Hierzu gehört auch, das zur weiteren Angleichung der tariflichen Bestimmungen, wie z. B. die Wochenarbeitszeit nach 28 Jahren deutscher Einheit nun verbindliche tarifliche Lösungen geschaffen werden müssen. Wer sich dem entgegenstellt, stellt sich gegen den Willen der Beschäftigten und muss mit deren Widerstand rechnen, so Spitzbarth abschließend.

Kirsten Joachim Breuer, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Erfurt meint: „Die erneute sehr gute Beteiligung zu den ausweiteten Warnstreiks am Erfurter Kreuz sprechen für sich selbst. Die Beschäftigten stehen hinter der Forderung der IG Metall und sie sind bereit, für deren Durchsetzung die Arbeit niederzulegen. Die Thüringer Arbeitgeber sind gut beraten, diese klaren Signale von den eigenen Beschäftigten als solche zu verstehen, was sie sind: Die Kolleginnen und Kollegen fordern ein verhandlungsfähiges Angebot von der Arbeitgeberseite!“

Bernd Gottwald, Vertrauensmann der IG Metall und Betriebsratsvorsitzender von Thales Arnstadt sagte: „Auch bei Thales sind die Auftragsbücher mit Blick auf das aktuelle Wirtschaftsjahr übervoll. Gerade die Beschäftigten von Thales in Arnstadt wissen nur zu genau, dass sie einen sehr großen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens haben. Das Angebot der Arbeitgeberseite von 2 Prozent ist der blanke Hohn. Die Verknüpfung dieser Lohnerhöhung mit Verschlechterungen bei der Arbeitszeit und bei den Spätschichtzuschlägen ist eine Provokation, die die Kolleginnen und Kollegen nicht unbeantwortet lassen. Dass die IG Metall auch die Angleichung der Arbeitsbedingungen an das Westniveau zu diesem Zeitpunkt in der Tarifbewegung thematisiert, ist nur logisch und konsequent. Es ist an den Metallerinnen und Metallern, jetzt die Gleichheit der Arbeitsverhältnisse in der Republik durchzusetzen. Wir wollen nicht akzeptieren, dass wir im Osten jede Woche 3 Stunden länger arbeiten im Westen. Diese Zeit hätten wir genauso gerne wie unsere westdeutschen Kolleginnen und Kollegen für Familie, Hobby und zur Erholung.“

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Reiko Nonn, Sprecher der Vertrauensleute bei Thales untermauerte noch einmal, „dass Zeit die wichtigste Währung der Zukunft werden wird. Hier besteht gesellschaftlicher Handlungsbedarf, den wir nicht den Arbeitgebern alleine überlassen dürfen. Bei der Entscheidung, wie die Balance zwischen Lebens- und Arbeitszeit gestaltet wird, bestimmen wir mit. Dieses Recht lassen wir uns nicht nehmen. Zeit ist ein wichtiger, sozialer gesellschaftlicher Bestandteil, er ist sozialer Kitt im Sozialstaat. Es ist unser Leben, über das Andere meinen, bestimmen zu wollen, was wir nicht zulassen werden, so Nonn abschließend“.

Durch den BR Vorsitzenden, Andreas Eifert, aus dem „Nachbarbetrieb“ BorgWarner wurden solidarische Grüße an die Warnstreikenden bei Thales übermittelt. Eifert wies darauf hin, dass wir die Reihen fest schließen müssen. Sollte es einen weiteren Warnstreik bedürfen, dann wird dieser nicht vor den Werktoren enden. Weiter hielt er fest, dass Zeit ein wichtiger Faktor im Leben ist, über den wir mitbestimmen wollen und werden.

Sebastian Masek, Vertrauensmann der IG Metall und Betriebsratsvorsitzender von n3 betonte in seiner Rede an die Streikenden: „Jeden Tag fordern die Arbeitgeber von uns aufs Neue Flexibilität. Gerade in der Luftfahrt sollen die Beschäftigten springen, wie der Arbeitgeber es braucht. Jetzt wollen wir genauso wie die Arbeitgeber über die Arbeitszeit mitentscheiden, die wir im Betrieb verbringen. Dass uns dies verwehrt bleiben soll, ist eine Denke aus dem letzten Jahrhundert. Wer beste Qualität verlangt, der muss auch beste Arbeitsbedingen bieten. Das fängt bei der Arbeitszeit an und hört bei fairen Löhnen noch lange nicht auf. Die Arbeitgeber müssen sich bewegen.“

Maik Merkel, Vertrauensmann der IG Metall und Betriebsratsvorsitzender von MDC Technology meinte in seinem Statement an die Beschäftigten: „Wir produzieren hochspezialisierte Motorenteile für den Daimler-Konzern. Unsere Mutter geht es prächtigst und von Jahr zu Jahr steigen die Umsätze. Keinem meiner Kollegen ist zu erklären, warum unsere Forderungen überzogen sein sollen. Wenn der Daimler gute Geschäfte macht, ist es nur recht und billig, dass wir beteiligt werden wollen.


Zum Hintergrund:

Die IG Metall hat in der aktuellen Tarifbewegung für die Metall- und Elektroindustrie Thüringens eine Forderung nach 6 Prozent mehr Lohn, einen Rechtsanspruch für die Beschäftigten auf eine verkürzte Vollzeit in Höhe von 28 Stunden in der Woche sowie für die Auszubildenden einen arbeitsfreien Tag vor den Abschlussprüfungen erhoben. Die bisherigen Verhandlungen am 22. November in Arnstadt und am 15. Dezember in Eisenach sind ergebnislos verlaufen. Der bisherige Entgelttarifvertrag ist zum 31. Dezember 2017 gekündigt. Damit sind mit dem Jahreswechsel Warnstreiks möglich geworden.

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