Die Verfechter der ungebremsten Marktwirtschaft werden sagen: Miete – das regelt der Markt! Man muss nur den Markt mit Angeboten überschwemmen, um die Preise in den Keller zu drücken.

In der Theorie stimmt das sogar. Aber bei Immobilien geht es um viel Geld. Und bei viel Geld stehen immer auch ausreichend Mittel zur Verfügung, um sich eine Lobby zu kaufen. Experten wissen das und warnen davor. Es bedarf Regelungen und Barrieren, um auch die Situation in Jena nicht ungebremst in Richtung München, Berlin, Hamburg entgleiten zu lassen.

Das ist zweifellos ein wichtiger Aspekt bei der OB-Wahl in Jena. Und das ist auch der Grund, warum wir uns als „Verein zur Förderung von fairem Wohnen in Jena“ einmischen und die Kandidatur von Arne Petrich unterstützen.

Am 29. Januar fand in Weimar eine Podiumsdiskussion mit Experten aus Freiburg, Tübingen, Berlin und Leipzig statt. Der Tenor der Teilnehmer war eindeutig: Man darf den Wohnungsmarkt nicht ungebremst dem freien Markt überlassen. Man muss Regeln einführen. So wie es Ludwig Ehrhardt mit der „sozialen Marktwirtschaft“ schon einmal durchgesetzt hatte.

Es ist auch falsch, die Wohnungssituation nur als soziales Problem zu verstehen. Auch den „besser Verdienenden“ wird die Möglichkeit genommen, mit vertretbarem Aufwand zu Wohneigentum zu kommen.

Die Grundstückspreise in Jena sind in unerschwingliche Höhen geklettert. Gewinner dabei ist die Stadt Jena selbst. Höchstgebote sind gut für die Stadteinnahmen, aber nicht für die Bürger dieser Stadt. Den Immobilienunternehmen in Jena fällt dann spontan ein, dass das Land doch bitte mit Fördermitteln ausgleichen soll.
Die Medien und die Presse mischen heftig mit: Mit einseitiger Darstellung und mit Falschinformationen. Erst am 11. Januar wurde in der TLZ behauptet: Bei den großen Wohnungsunternehmen in Jena liege die durchschnittliche Miete bei 5,91 Euro, man würde in Jena mit 8,57 Euro die höchsten Mieten in Ostdeutschland zahlen (Berlin und Potsdam ausgenommen) und die Mietsteigerung seit 2012 sei in Jena mit 0,6% die niedrigste in ganz Thüringen. Diese Aussagen sind schlichtweg falsch!

„Fake News“ in der TLZ sozusagen!

Richtig ist dagegen:
Ein Durchschnittswert der Kaltmiete in Jena von 5,55 Euro für das Jahr 2016, für Erfurt 5,05 Euro und für ganz Thüringen 4,85 Euro. Das sind statistische Werte der Bestandsmieten ohne Nebenkosten vom vtw (Verband der Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft), die jährlich für alle Immobilienunternehmen veröffentlicht werden.

Die Mietsteigerungen der großen Jenaer Immobilienunternehmen können den Jahresgeschäftsberichten entnommen werden und bringen von 2012 bis 2016 bei den Mietpreisen im Bestand diese Steigerung:

Jenawohnen steigert von 4,93 auf 5,48 Euro, also um 11 %
Die WG Carl Zeiss von 5,07 auf 5,48 Euro, also um 8 %

Die Übersicht sieht dann so aus:

Wenn man genau hinschaut, entdeckt man da schon Ungereimtheiten. Die Durchschnittswerte für Jena lagen nämlich bisher immer gut ausbalanciert zwischen den Werten der großen regionalen Immobilienunternehmen.

Natürlich haben wir uns bei der Redaktion der TLZ mit einem Leserbeitrag zu Wort gemeldet und haben versucht zu korrigieren. Der Beitrag wurde aber leider nicht veröffentlicht.

Schönrechnen scheint sehr im Trend zu liegen. Herr Peisker als Dezernent für Stadtentwicklung hat sich auch daran versucht. Das Ergebnis seiner Überlegungen war die Einführung des wundersamen Begriffs der eigentlich ganz niedrigen „gefühlten Miete“ und die Erkenntnis, dass das Jenaer Gehaltsniveau durchaus hohe Mieten zulässt. Für die Jenaer Miete aus Privatvermietung hat Herr Peisker sogar noch einen ganz besonderen Trick auf Lager: Er startet eine Umfrage unter Jenaer Haushalten und fragt die Miete einfach ab. Der Rücklauf aus den großen Jenaer Immobilienunternehmen lag bei ca. 400 Fragebögen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Mieter kaum exakt zwischen Kaltmiete, Nettomiete, Bruttomiete, Angebotsmiete, Vergleichsmiete, Durchschnittsmiete unterscheiden konnten ist riesengroß.

Das hindert Herrn Peisker nicht daran, eben diesen exakten Wert zu ermitteln. Der wird über die Printmedien als „Fake News“ verbreitet und von den Jenaer Wohnungsunternehmen gern und bereitwillig übernommen. Sogar im Machtkampf in der Wohnungsgenossenschaft Carl Zeiss musste die Falschinformation als eines der Argumente für die Abwahl des Aufsichtsrates herhalten.

Autor: Verein zur Förderung von fairem Wohnen in Jena e.V.