Die Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Heike Werner (DIE LINKE), hat heute in Erfurt gemeinsam mit Thomas Ketzmerick vom Zentrum für Sozialforschung Halle die Ergebnisse einer neuen Fachkräftestudie vorgestellt. Bis zum Jahr 2030 werden demnach 344.000 Fachkräfte in Thüringen benötigt.

Arbeitsministerin Werner sagte: „Das Thema Fachkräftesicherung ist ein zentrales Anliegen der Thüringer Landesregierung, das wir zusammen mit den Sozialpartnern in Thüringen aber auch mit Hilfe wissenschaftlicher Studien seit vielen Jahren begleiten und gestalten.“

Laut Werner werden auch in Zukunft den weit überwiegenden Teil des Fach- und Arbeitskräftebedarfs Beschäftigte mit anerkanntem Berufsabschluss ausmachen. „Das bedeutet, dass wir gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern weiter daran arbeiten müssen, die Attraktivität der dualen Ausbildung zu erhöhen. Vor allem sollten wir noch besser auf die sich bietenden vielfältigen Karrierechancen hinweisen“, sagte Heike Werner.

Nach Auffassung der Thüringer Arbeitsministerin betrachtet ein großer Teil der Thüringer Unternehmen die fortschreitende Digitalisierung inzwischen als Chance. „Viele Betriebe stellen sich den Herausforderungen, die sich aus diesem Prozess ergeben. Mein Haus unterstützt sie im Rahmen zahlreicher Förderprojekte bereits jetzt und hat das Thema Qualifizierung und Weiterbildung in Zeiten von Arbeit 4.0 als ein entscheidendes Zukunftsthema ausgemacht. Die Unternehmen sehen also keineswegs das Ende der Arbeit gekommen, sondern im Gegenteil oftmals sogar steigende Beschäftigungszahlen“, sagte Heike Werner.

Ausgewählte Aspekte der Fachkräftestudie

• Durch Renteneintritte und Personalaufstockungen wird in Thüringen bis zum Jahr 2030 ein Fachkräftebedarf von 344.000 Personen entstehen. Mit insgesamt jeweils 80.000 benötigten Beschäftigten verzeichnen das Verarbeitenden Gewerbe sowie das Sozial- und Gesundheitswesen die höchsten Bedarfe. Doch auch im Handel (37.000 Personen) und im Bereich der Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (35.000 Personen) wird es einen hohen Bedarf an Fach- und Arbeitskräften geben.

• Den Großteil macht mit insgesamt 272.000 Personen der Ersatzbedarf aus, der durch den Renteneintritt von Beschäftigten hervorgerufen wird, die heute noch im Erwerbsleben stehen. Darüber hinaus kommt es durch Wachstum in einer Reihe von Branchen zu einem Erweiterungsbedarf von 72.000 Personen. 79 Prozent des gesamten Arbeitskräftebedarfs wird auf Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung entfallen, weitere 14 Prozent auf Personen mit Hochschulabschlüssen. Der Anteil der Personen ohne beruflichen Schulabschluss wird sich in Thüringen auch weiterhin auf niedrigem Niveau bewegen (8 Prozent).

• Knapp zwei Drittel der in der vom Zentrum für Sozialforschung Halle befragten Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer gaben an, schon heute vor Herausforderungen bei der Fachkräftegewinnung zu stehen. Besonders Fachkräfte mit einer beruflichen Ausbildung sind schwerer zu finden als früher. Als größte Probleme nannten sie fehlende Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt (89 Prozent der Befragten) und fehlende Bewerberinnen und Bewerber für die von ihnen angebotenen Ausbildungsstellen (70 Prozent der Befragten).

• Die Digitalisierung der Betriebsabläufe hat in Thüringen bereits begonnen. Im Mittel weisen Thüringer Betriebe der Digitalisierung einen Stellenwert von 6,9 von 10 möglichen Punkten zu. Besonders ausgeprägt ist die Bedeutung in der Informations- und Kommunikationsbrache (9,3 Punkte) aber auch im Bereich Verkehr und Logistik sowie im Handel (jeweils 7,1 Punkte).

• Fast drei Viertel (71 Prozent) der befragten Betriebe erwarten durch die Digitalisierung keine Veränderungen für ihren Fach- und Arbeitskräftebedarf. Ein Viertel geht sogar von steigenden Bedarfen aus und nur 4 Prozent erwarten sinkende Bedarfe. Für die Aus- und Weiterbildung erwarten die befragten Betriebe in 44 Prozent der Fälle steigende Anforderungen an die Beschäftigten. Weitere 43 Prozent gehen von gleichbleibenden Anforderungen aus. Auch hier stechen der Handel (67 Prozent) und die Informations- und Kommunikationsbranche (66 Prozent) hervor, in denen überdurchschnittlich viele Befragte neue Bedarfe in der Aus- und Weiterbildung durch die Digitalisierung erwarten.

Hintergrund:
Die Studie „Willkommen in Thüringen – Entwicklung des Fachkräftebedarfs bis 2030 und Strategien der Fachkräftegewinnung“ bietet eine detaillierte Gesamtschau der derzeitigen Lage und der erwarteten Entwicklung in den kommenden Jahren. Darüber hinaus zeigt sie Strategien und Handlungsempfehlungen zur Deckung des entstehenden Fachkräftebedarfs auf.
Neben der Analyse statistischer Quellen wurden durch das Zentrum für Sozialforschung Halle über 1.000 Telefoninterviews mit Führungspersonal von Unternehmen durchgeführt, um ein genaues Bild über die Situation der Betriebe in Thüringen und ihrer Erwartungen an die Fachkräfteentwicklung sowie den Aktivitäten in der Aus- und Weiterbildung zu erhalten.

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