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Friedhöfe in Thüringen

Erfurt. Muslime können ihre Toten zunehmend auch in Thüringen auf eigenen Grabfeldern bestatten. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN haben nach Erfurt und Jena die Städte Gera, Suhl, Nordhausen und Sonneberg gesonderte Friedhofsbereiche für Muslime bereitgestellt. Insgesamt gibt es damit thüringenweit über 360 Plätze für muslimische Gräber. In weiteren Städten Thüringens wie etwa Gotha, Weimar und Rudolstadt wurden bereits Muslime nach eigenen Riten bestattet, jedoch nicht auf eigens eingerichteten Grabfeldern.

Die größten muslimischen Grabfelder Thüringens haben die Städte Erfurt und Jena eingerichtet (Platz für 180 bzw. 100 künftige Gräber). Während der Friedhof in Erfurt nur Tote aus der Region aufnimmt, können in Jena und Gera Muslime unabhängig von ihrem bisherigen Wohnort bestattet werden.

Nach einer Stichproben-Umfrage von MDR THÜRINGEN ist die Anzahl muslimischer Bestattungen im Freistaat insgesamt weiter gering. So wurden im vergangenen Jahr lediglich rund zwei Dutzend Muslime im Freistaat beigesetzt, davon 13 in Jena. Zu den Toten zählen auch vergleichsweise viele Kinder, darunter Tot- oder Fehlgeburten. Nach islamischer Lehre besteht eine Bestattungspflicht in dem Moment, da ein menschlicher Körper erkennbar ist. Das in Thüringen geltende Bestattungsgesetz überlässt es den Eltern, ob sie Tot- und Fehlgeburten unter 500 Gramm bestatten.

Der Umfrage von MDR THÜRINGEN zufolge besteht bei den Kommunen im Freistaat Unklarheit bezüglich des künftigen Bedarfs an muslimischen Gräbern. Ein Begräbnis in den einstigen Herkunftsländern werde zwar von vielen Muslimen gewünscht, sei jedoch beispielsweise für Flüchtlinge aus Syrien kaum möglich. Viele Kommunen wollen in den kommenden Monaten grundsätzlich klären, wie sie mit muslimischen Toten umgehen sollten. Eine Stadtsprecherin von Eisenach sagte beispielsweise, Bestattungen muslimischer Verstorbener seien im geltenden Thüringer Bestattungsgesetz noch nicht ausreichend geregelt.

Muslimische Gräber sind traditionell nach Mekka auszurichten. Die Grabfelder sollen ausschließlich Muslimen vorbehalten sein, es sollen sich darauf keine früher genutzten Gräber befinden. Muslime sollen ihre Toten möglichst innerhalb von 24 Stunden nach dem Sterbefall bestatten. Gemäß islamischen Riten sollen die Toten nach einer Waschung in Leinentüchern sarglos bestattet werden.

Eine sarglose Bestattung ist jedoch nicht in allen Bundesländern gestattet. So dürfen in Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt Tote nur im Sarg in die Erde. In Thüringen ist ein sargloses Begräbnis auf Antrag möglich, die Entscheidung liegt bei den Kommunen. So dürfen Leichen in Erfurt generell nur im geschlossenen Sarg begraben werden, in Jena sind bei Zustimmung des Gesundheitsamtes auch sarglose Begräbnisse zulässig. Bestattungen binnen 48 Stunden sind auf Antrag in Thüringen möglich.

Quelle: MDR THÜRINGEN.

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