screenshot visit-jena.de | bearb. d. A.
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Jena. „Unser Open-Air-Festival Kulturarena Jena sorgt in den Sommermonaten für einen Ausnahmezustand in der Stadt!“ So heißt es auf dem neuen Internetauftritt von Jenatourismus namens visit-jena.de. Mit viel Tamtam – Bandenwerbung zur (ausgefallenen) Flutlichtpremiere im Ernst-Abbe-Sportfeld am 6. März – sollte die Seite beworben werden. Diese Werbeaktion wurde von Jenakultur mit 5.000 Euro angegeben, hinzu kommen 20.000 Euro für Trikots, die die Stadt sponsert. Diese 25.000 Euro sind zwar nun futsch, und niemand konnte während des Fußballspiels die Werbung für die städtische Seite sehen. Das allerdings hat seinen Vorteil.

Der Beschreibung der Kulturarena nach handelt es sich um ein Open-Air-Festival, das für einen Ausnahmezustand – wie in einem Krisengebiet oder zum G20-Gipfel in Hamburg – sorgt. Wir kennen alle die Bilder über der Innenstadt kreisender Polizeihubschrauber, Wasserwerfer, Panzerwagen und Mannschaftswagen auf dem Eichplatz während der Sommermonate. Allerdings haben diese Bilder nichts mit der Kulturarena zu tun, sondern mit Demonstrationen diverser rechtsradikaler Organisationen und den Gegendemonstrationen.

Viel schlechter recherchiert – und nach der Veröffentlichung dieses Beitrages korrigiert* – wurden Inhalte wie: „Schiller, Goethe, aber auch Carl Zeiss, Ernst Abbe und Karl Marx waren berühmte Einwohner Jenas.
Die Stadt Jena ist gerade durch seine prominenten Bewohner zu einer Kulturstadt geworden. Die zahlreichen kulturhistorischen Denkmäler erinnern ebenso an die kulturelle Geschichte der Stadt, wie die vielen Museen, Einrichtungen und Gebäude.“
Quelle.

Gut, Schiller hatte hier ein Wohn- und ein Gartenhaus, die er für wenige Jahre bewohnte, Goethe lebte in seiner Dienstwohnung und war nie Bürger unserer Stadt. Von Karl Marx ist bekannt, dass er nie Jena betreten hat sondern lediglich seine Dissertation hier einreichte – in absentia, also in Abwesenheit. Warum wird zum Beispiel nicht auf den Bürgerrechtler und Dichter Jürgen Fuchs verwiesen?

Screenshot visit-jena.de, bearb. d. A.

Leider geht es mit ähnlich ungenauen und falschen Angaben weiter. Oder wollen Sie erleben, wie Sie in der Wagnergasse ein „Thüringer Würstchen“ verlangen? Vielleicht wäre es besser gewesen, doch mehr als vier Monate in einen professionellen Internetauftritt zu investieren.

Jena ist in der Tat eine Reise wert.


*Dieser Teilsatz wurde am 9. März um 18:00 Uhr nach einigen Korrekturen auf visit-jena.de an den Ist-Zustand angepasst.

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