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Mediziner beklagen erhebliche Unsicherheiten

Erfurt. Ärzte bemängeln fehlende Vorgaben zum medizinischen Einsatz von Cannabis. Ingo Palutke vom Berufsverband Thüringer Schmerztherapeuten sagte MDR THÜRINGEN, auch ein Jahr nach der Freigabe von Cannabis als Arzneimittel seien viele Aspekte unklar und die wissenschaftliche Datenbasis überschaubar. So sei die rechtliche Frage der Fahrtauglichkeit dieser Patienten “gänzlich ungeklärt”. Auch sei die Abgabe von Cannabisblüten mit der modernen Pharmakotherapie nicht vereinbar. Der stark schwankende Wirkstoffgehalt erschwere erheblich eine stabile Dosierung oder mache sie gar unmöglich, so Palutke. Insgesamt gebe es zu wenige gesicherte Daten für die Behandlung bestimmter Krankheiten. Deshalb seien Ärzte “erheblich verunsichert”.

Patienten wiederum glaubten häufig, dass Cannabis als pflanzliches Produkt harmlos sei. Dadurch käme es oft zu medizinisch unrealistischen Verordnungswünschen. “Es ist zweifelsfrei, dass Cannabis Schmerz lindert”, sagte Palutke dem MDR. Es könne jedoch nicht bestätigt werden, dass dies besser gelinge als mit seit langem eingesetzten Opiaten. Derzeit werden Cannabis-Medikamente vorwiegend gegen Übelkeit bei Krebstherapien, bei Nervenschmerzen sowie zur Linderung von Multipler Sklerose eingesetzt. Die enthaltenen Wirkstoffe, die Cannabinoide, sind nur für einen stark eingeschränkten Patientenkreis zugelassen.

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Seit der Freigabe als verschreibungspflichtiges Arzneimittel am 10. März 2017 hat Cannabis keine große Bedeutung in Thüringen erlangt. Im ersten Jahr haben die beiden größten gesetzlichen Krankenkassen AOK Plus und Barmer in Thüringen 196 Cannabis-Behandlungen genehmigt. 201 Anträge auf Cannabis-Medikation, also etwa jeder zweite, wurden abgelehnt, teilten die Kassen MDR THÜRINGEN mit. Damit haben die Krankenkassen in Thüringen einen etwas höheren Anteil abgelehnt, als im Bundesschnitt. Eine Umfrage des MDR unter fünf großen Krankenkassen ergab, dass bis Ende 2017 bundesweit rund 40 Prozent der Anträge nicht bewilligt wurden. Wichtigste Gründe für eine Ablehnung sind laut AOK Plus unvollständige Unterlagen, keine schwerwiegenden Erkrankungen oder dass Therapiealternativen nicht ausgeschöpft worden seien. Die Barmer verzeichnete für Thüringen die bundesweit drittniedrigste Nachfrage nach Behandlungen mit Cannabis-Arzneimitteln. Bei den beiden Kassen AOK Plus und Barmer sind gut 1,16 Millionen Thüringer versichert.

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