Sanierte Schaukelbrücke im Park an der Ilm, Foto: Alexander Burzik
Sanierte Schaukelbrücke im Park an der Ilm, Foto: Alexander Burzik

Für die Instandsetzung der historischen Schaukelbrücke im Park an der Ilm erhielt die Klassik Stiftung Weimar gestern Abend, 12. März, den Deutschen Brückenbaupreis 2018 in der Kategorie »Fuß- und Radwegbrücken«.

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Laut Jury sei die Erhaltung der zu Goethes Zeiten gebauten Schaukelbrücke ein Paradebeispiel des verantwortungsvollen Umgangs mit dem baukulturellen Erbe. Indem die Ingenieure das historische Tragwerk in seine Elemente zerlegt, analysiert und experimentell begutachtet hätten, sei es ihnen gelungen, das historische Original voll funktionsfähig und schaukelnd erlebbar zu erhalten. »Das Ergebnis ist keine neue Brücke im alten Gewand, sondern das weitgehend erhaltene und für die Zukunft gesicherte Original«, lobt die Jury.

»Keine Rekonstruktion ist schließlich so gut wie das Original«, erklärt Johann Philipp Jung, Direktor Schlösser, Gärten und Bauten der Klassik Stiftung und leitender Architekt bei der Instandsetzung. »Daher bin ich sehr froh, dass wir es bei der für den Ilmpark so wichtigen Schaukelbrücke geschafft haben, Denkmalpflege und uneingeschränkte Nutzung nachhaltig zu vereinen. Unsere zusätzlichen Anstrengungen dabei nun auch durch den Deutschen Brückenbaupreis 2018 belohnt zu sehen, ist natürlich großartig.«

Die Instandsetzung der 1833 errichteten Kettenbrücke war notwendig geworden, nachdem das Hochwasser im Juni 2013 schwere Schäden an der Konstruktion hinterlassen hatte. Bei den bis Dezember 2014 andauernden Sanierungsarbeiten gelang es der Klassik Stiftung, das historische Metalltragwerk vollständig zu erhalten. In einem aufwendigen Verfahren wurden alle 100 bauzeitlichen, handwerklich hergestellten Kettenglieder aufbereitet und anschließend im Versuchsstand auf ihre Tragfähigkeit überprüft. Dabei konnten sie sämtlich die heutigen statischen Ziellastvorgaben erfüllen. Weitere Sanierungsmaßnahmen umfassten die Erneuerung der Holzteile und Verankerungen der Brücke sowie die Wiederherstellung der Rampen.

Mit dem Deutschen Brückenbaupreis werden herausragende Ingenieurleistungen im Brückenbau der Bundesrepublik Deutschland sowie deren Bedeutung für die Baukultur öffentlich gewürdigt. Er steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur und wird alle zwei Jahre von der Bundesingenieurkammer und dem Verband Beratender Ingenieure VBI in den Kategorien »Straßen- und Eisenbahnbrücken« sowie »Fuß- und Radwegbrücken« vergeben.

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Die Schaukelbrücke ließ Hofbaumeister Karl Friedrich Christian Steiner (1774–1840) 1833 als »echte« Hängebrücke errichten, nachdem der von 1778 bis 1828 unter Großherzog Carl August angelegte Landschaftspark an der Ilm fertiggestellt war. Die damals neue Konstruktionsweise der Hängebrücken mit eisernen Kettengliedern wurde in England ab 1741 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch in Nordamerika ausgeführt. Die neue Kettenbrücke über der Ilm war aufgrund ihres »Schaukelns« eine derartige Sensation gegenüber den bekannten steinernen Bogenbrücken oder Holzstegen, dass sich der noch heute gebräuchliche Name »Schaukelbrücke« etablierte. Die Schaukelbrücke ist als Einzeldenkmal Teil des UNESCO-Welterbes »Klassisches Weimar« und eine der ältesten funktionsfähigen Kettenbrücken in Europa.

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