„Von Mensch zu Mensch. Ich habe einen Namen.“

Jena. Ab sofort ist an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena eine neue Ausstellung für die Öffentlichkeit zugänglich: Porträts von Menschen „mit fröhlichen oder ernsten Gesichtern, einige lächeln zuversichtlich, manche schauen unsicher auf ihr Gegenüber“. Die Fotos, die im Foyer vor der Hochschulaula in Haus 4 Station machen, sind Ergebnis eines Workshops des Stadtteilbüros Lobeda unter Leitung von Doris Weilandt und Olrik Drabant.

Die Menschen, die auf großformatigen Schwarzweißfotos zu sehen sind, kamen mit dem großen „Flüchtlingsstrom“ 2015 nach Thüringen. In Notunterkünften fanden sie zum ersten Mal Ruhe nach einer langen Zeit der Ungewissheit. Sie trafen auf Helfer, die sie freundlich aufnahmen und ihnen die ersten Schritte in ein neues Leben ermöglichten. Die knappen Texte deuten die Lebenssituation der jeweiligen Person an.

Die Idee, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, entstand 2016 im Flüchtlingsfreundeskreis Lobeda. Fotografie- und Schreibinteressierte beteiligten sich an dem mehrwöchigen Workshop. In Interviews befragten die Teilnehmer Geflüchtete aus Afghanistan, Syrien, dem Irak, Eritrea, Palästina, Albanien und dem Kosovo zu ihren persönlichen Beweggründen.

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Viele hatten in ihrer Heimat ein Haus und eine Familie, die füreinander einstand. Doch durch den Terror des IS sowie Bürgerkriege mit einem unvorstellbaren Ausmaß an Zerstörung wurde ihnen jede Lebensgrundlage entzogen. Sie haben alles, was sie besaßen, verloren. Oft mussten sie von heute auf morgen ihre Wohnorte verlassen.

Die Ausstellung war bereits an mehreren Orten in Thüringen zu sehen und ist noch bis zum 24. Mai in der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Gefördert wurde sie von der Landeszentrale für Politische Bildung Thüringen (Kooperationsprojekt) und vom Lokalen Aktionsplan der Stadt Jena. Erhältlich ist auch ein Begleitkatalog, in dem die Texte und Fotos veröffentlicht sind.

Autor: Bernhard Kühn / Stadtteilzeitung Lobeda.