In den Umlandgemeinden Bürgel und Jenaprießnitz scheitern Bebauungspläne für Eigenheimsiedlungen am Einspruch des Oberzentrums Jena. Vielen Bürgern dürfte erst jetzt bewusst werden, dass die Stadt Jena diesen Durchgriff hat. Das Vorgehen des Oberbürgermeisters und seines zuständigen Dezernenten zeigt die ganze Doppelbödigkeit städtischer Wohnungsbaupolitik.

Seit Jahren wird durch den OB eine Politik der Lücken- und Kleingartenbebauung verfolgt, die mit der steigenden Nachfrage nicht mitkommt. Also steigen die Preise. Um damit einigermaßen klar zu kommen, konzentriert sich die Stadt auf Geschosswohnungsbau und stellt Eigenheime zurück. Jetzt wird ausgerechnet dieser Eigenheimbau den Gemeinden Bürgel und Jenaprießnitz verweigert – mit der Begründung, das mache das Oberzentrum Jena selbst. Thomas Nitzsche: „Im Grunde betreibt die Stadtspitze Preistreiberei bei Miete und Wohneigentum, weil sie durch Einsprüche das Angebot knapp hält.“

Im Stadtrat werden Bebauungspläne, Sozialer Wohnungsbau und die Geschäftspolitik JenaWohnens rauf und runter diskutiert. Alle ringen im Stadtrat um den richtigen Weg, mehr Wohnungen zu schaffen. Und nun stellt sich heraus, dass OB Schröter und sein zuständiger Dezernent über reines Verwaltungshandeln – ohne Stadtrat – die Schaffung von Wohnraum im Umland einschränken. Alexis Taeger: „Das ist eine heuchlerische Politik im Untergrund des Verwaltungshandelns, mit ganz kleinem Karo, die es im Stadtrat noch zu würdigen gilt.“

Thomas Nitzsche: „Der Wohnraumbedarf rennt uns davon. Also geht es um Wohnungsbau in Jena UND im Umland.“ Der neue Oberbürgermeister wird im neuen Flächennutzungsplan für zusätzliche Bauflächen sorgen müssen. Thomas Nitzsche: „Dazu gehört in Jena auch: Ackerland zu Bauland. Da müssen wir offensiver ran. Und das Umland hilft, wo es kann. Wir brauchen Angebote für jede Wohnform und jedes Lebensmodell.“ Die Furcht vor Konkurrenz ist dabei unbegründet: Ins Umland zu ziehen ist nur für einen Teil der Suchenden eine Lösung.