Von BrThomas at de.wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18665959

„Gute Orte“ vom Mittelalter bis in die Gegenwart: Jüdische Friedhöfe in Thüringen

Erfurt. Am Dienstag, dem 10. April, beschäftigen sich gleich zwei Veranstaltungen des Netzwerks „Jüdisches Leben Erfurt“ mit Jüdischen Friedhöfen in Thüringen.

Im Rahmen des Synagogenkollegs führt Annelie Hubrich ab 17:15 Uhr über den Neuen Jüdischen Friedhof. Er wurde 1878 geweiht und wird bis heute belegt. Beigesetzt wurden und werden neben Mitgliedern der Erfurter Synagogengemeinde auch Juden aus anderen Thüringer Orten sowie Menschen jüdischer Religion, die sich aus familiären bzw. beruflichen Gründen in Erfurt aufhielten und hier starben.

Durch ihre jahrelange ehrenamtliche Forschung zur Geschichte der Erfurter Juden der Neuzeit bringt Annelie Hubrich den Besuchern die Schicksale der Erfurter Juden näher. Beispielhaft werden an Grabdenkmalen der Aufbau hebräischer Grabinschriften und verschiedene Stilmittel der Trauerkultur erläutert. Unübersehbar sind die Folgen der Shoa auf dem Friedhof. Fehlstellen in den Gräberreihen, unbenutzte Grabstellen und spätere Gedenkinschriften wurden zum steinernen Gedenkbuch gegen das Vergessen und Verdrängen.

Am Ende des Rundgangs erhalten die Teilnehmer eine schriftliche Kurzzusammenfassung.

Männliche Besucher des Friedhofs werden gebeten, eine Kopfbedeckung zu tragen. Festes Schuhwerk sowie wetterfeste Kleidung werden empfohlen. Treffpunkt ist vor dem Haupteingang in der Werner-Seelenbinder-Straße 3.

Wer mehr erfahren möchte, kann seinen Wissensdurst bei „Arain! Der Erfurter Synagogenabend“ stillen. Nathanja Hüttenmeister referiert in der Alten Synagoge um 19:30 Uhr über historische jüdische Friedhöfe in Thüringen.

Mindestens 36 solcher Friedhöfe haben sich in Thüringen erhalten, mit zusammen über 5.000 Grabinschriften. Allein in Erfurt umfassen diese einen Zeitraum von fast 900 Jahren – von den mittelalterlichen Grabmalen bis hin zum heute noch belegten Friedhof an der Werner-Seelenbinder-Straße. Von schlichten Kalksteinstelen bis zu großen Grabmonumenten, von den nötigsten Namen und Daten bis zu langen und aufwendig gereimten Eulogien bieten diese Grabsteine und ihre Inschriften einen Über- und Einblick in die Entwicklung der jüdischen Sepulkralkultur seit dem 12. Jahrhundert.

Schon während des Studiums der Judaistik, Islamwissenschaft/Arabistik und Geschichte in Tübingen, Berlin und Jerusalem arbeitete Nathanja Hüttenmeister an zahlreichen Projekten und Publikationen zu jüdischen Friedhöfen mit. Seit 1996 war sie freie und seit 2003 ist sie angestellte wissenschaftliche Mitarbeiterin am Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen.

Moderiert wird der Vortrag von Prof. Dr. Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, die auch Eigentümerin des Neuen Jüdischen Friedhofs in Erfurt ist.

Einlass in die Alte Synagoge ist ab 19:00 Uhr, Beginn um 19:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Das „Arain!“-Jahresprogramm für 2018 ist auf welterbe-werden.erfurt.de nachzulesen.

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