Richard Plant, Bild: Schwules Museum*Berlin

lesbisch, jüdisch, schwul

Erfurt. Die Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße zeigt ab Dienstag, den 10. April 2018, die Sonderausstellung »lesbisch, jüdisch, schwul«. Zur Eröffnung um 19 Uhr spricht Heiner Schulze, Vorstandsmitglied des Schwulen Museum* Berlin. Die Ausstellung des Schwulen Museum* Berlin kann bis zum 12. Juni 2018 während der Öffnungszeiten im Souterrain der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße besichtigt werden.

Der Eintritt zur Eröffnung ist kostenfrei.

Die Ausstellung ist Teil der Veranstaltungsreihe »Homosexualität in der Diktatur«. Vorgestellt werden 24 Biografien von lesbischen Jüdinnen und schwulen Juden – vor, während und nach der Zeit des Nationalsozialismus. Ihre Schicksale repräsentieren Erfahrungen aus dieser Zeit: Exil, Leben im Untergrund, Deportation, Ermordung, aber auch Überleben und Wirken in der Nachkriegszeit. Mit den Biografien wird versucht, die gesamte Bandbreite jüdischer aber auch homosexueller Verfolgungserfahrungen im Nationalsozialismus darzustellen. Die vermutlich im Konzentrationslager Buchenwald entwickelte Kennzeichnung der einzelnen Häftlingsgruppen sah ausdrücklich den »homosexuellen Juden« als Kategorie vor: ein Davidstern mit rosa Winkel. Wie viele Häftlinge so markiert wurden, ist bislang unbekannt.

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Das Thema jüdischer und gleichzeitig homosexueller Identität ist auch heute noch von gewissen Voreingenommenheiten, taktischem Verschweigen, religiösen Empfindlichkeiten, aber auch bestimmten Stereotypen, die tief im Antisemitismus wurzeln, gekennzeichnet. Im kulturellen Leben der 1920er Jahre gab es viele – heute meist in Vergessenheit geratene – lesbische Frauen und schwule Männer mit jüdischen Wurzeln, die in Kunst, Wissenschaft und Literatur ihren Beitrag zur Emanzipation beider Gruppen leisteten. Magnus Hirschfeld als Gründer der weltweit ersten Homosexuellenorganisation ist hier sicher herausragend. Felice Schragenheim ist einem breiteren Publikum durch den Film »Aimee und Jaguar« bekannt geworden, andere Biografien wie die von Alice Ascher oder Walter Boldes sind kaum bekannt und werden in der Ausstellung erstmals vorgestellt.