Foto: Ann Bünger, https://www.coolis.de/stadtfuehrung-in-weimar-mit-ann-buenger-m-a/

„Wie gegenwärtig ist die Vergangenheit?“

Weimar. 73 Jahre nach der Befreiung der Konzentrationslager stellt die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora die Frage: „Wie gegenwärtig ist die Vergangenheit?“ In Erfurt, Jena, Nordhausen und Weimar findet eine Reihe von Vorträgen und Gesprächen, Ausstellungen und Führungen, Gedenkveranstaltungen sowie Filme und Lesungen statt, die den Zusammenhängen von Vergangenheit und Gegenwart nachgeht.

Am 11. und 15. April wird mit Gedenkfeiern in Buchenwald und Mittelbau-Dora an die Befreiung der beiden Konzentrationslager gedacht. Rund zwanzig Überlebende aus allen Teilen Europas – darunter Frankreich, Ungarn und der Ukraine sowie aus Israel und den USA – reisen zu ihnen an. Neben ehemaligen Häftlingen werden u. a. Dominique Durand, der Präsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, Bodo Ramelow, Ministerpräsident des Freistaats Thüringen und Malte Krückels, Staatsekretär für Medien und Bevollmächtigter des Freistaats Thüringen beim Bund.

Vom 5. bis 27. April realisiert die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora gemeinsam mit Partnern eine Reihe von Lesungen, Filmen und Vorträgen, die – ohne in vorschnelle Analogien zu verfallen – den Blick auf die Vergangenheit mit dem auf die Gegenwart verknüpfen. Drei Beispiele: In dem Film „Die Lebenden“ von Barbara Albert befragt eine Enkelin ihren Großvater nach dessen Verantwortung für die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und ihren Vater nach seinem Umgang damit (Nordhausen, 16. April). Der Blick, den die Kulturhistorikern Ute Daniel auf die zersetzende Dynamik von Falschmeldungen im 20. Jahrhundert wirft, schult auch den heutigen Umgang mit „Echoräumen“ wie in den sozialen Medien (Weimar, 17. April). Und die Jenaer Historikerin Franka Maubach zeigt auf, wie sich auch in der Geschichtswissenschaft ein Perspektivwechsel vollzieht, der hilft, Chancen und Potentiale der Vergangenheit besser zu begreifen (Erfurt, 26. April). Insgesamt zeigt die Veranstaltungsreihe, wie die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit die Aufmerksamkeit für aktuelle Gefährdungen demokratischer Kultur erhöhen kann.

Die Veranstaltungsreihe wird gefördert durch „Denk Bunt“, das Thüringer Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit, das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, die Staatskanzlei des Freistaats Thüringen und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Die Veranstaltungen realisiert die Stiftung gemeinsam mit zahlreichen Partnern in ganz Thüringen: das Buchhaus Rose Nordhausen, das Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar, die Eckermann-Buchhandlung Weimar, der Erinnerungsort Topf & Söhne Erfurt, die Friedrich-Schiller-Universität Jena, das Jugend-, Kultur- & Bildungszentrum mon ami Weimar, die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen sowie das Stadtmuseum Weimar. Für die finanzielle Unterstützung einzelner Veranstaltungen dankt die Stiftung Buchenwald und Mittelbau-Dora der Deutschen Bahn, der Sparkasse Mittelthüringen, der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) und zahlreichen Einzelspendern.

Die Veranstaltungen der Reihe:

5. April
KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
19 Uhr Ausstellungseröffnung „Jedes Wort zählt“

Eckermann-Buchhandlung Weimar
19 Uhr Lesung und Gespräch „Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie deine Augen“

9. April
Bürgerhaus Nordhausen
19 Uhr Lesung und Gespräch „Schuld die nicht vergeht“

10. April
Gedenkort Ellrich-Juliushütte
11 Uhr Gedenkveranstaltung am ehemaligen Außenlager Ellrich-Juliushütte

Erinnerungsort Topf & Söhne Erfurt
19 Uhr Lesung „Das Kind auf der Liste“. Die Geschichte von Willy Blum und seiner Familie

11. April
KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
11 Uhr Gedenkveranstaltung in der rekonstruierten Baracke mit anschließender Kranzniederlegung auf dem Gedenkplatz vor dem ehemaligen Krematorium
Ansprache:
– Bodo Ramelow, Ministerpräsident des Freistaats Thüringen

Gedenkstätte Buchenwald
13.15 Uhr Sonderführungen zu folgenden Themen:
• Jüdische Häftlinge
• Kinder und Jugendliche
• Weibliche Häftlinge
• Musik im Lager
Treffpunkt: Besucherinformation
15.15 Uhr Gedenken zum Zeitpunkt der Befreiung des KZ Buchenwald auf dem ehemaligen Appellplatz

14. April
Gedenkstätte Buchenwald
14.30 Uhr Führung durch die Ausstellung Buchenwald. Ausgrenzung und Gewalt.

Jugend- und Kulturzentrum mon ami
19.30 Uhr Zeitzeugengespräch mit Barney Sidler (USA), Überlebender des KZ Buchenwald

15. April
Gedenkstätte Buchenwald
10.15 Uhr Sonderführungen zu folgenden Themen:
• Jüdische Häftlinge
• Kinder und Jugendliche
• Weibliche Häftlinge
• Musik im Lager
Treffpunkt: Besucherinformation
13.30 Uhr Gedenkveranstaltung des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos (IKBD) auf dem ehemaligen Appellplatz des KZ Buchenwald
Ansprachen:
– Malte Joas Krückels, Staatssekretär für Medien und bevollmächtigter des Freistaats Thüringen beim Bund
– Dominique Durand, Präsident des IKBD
– Zeitzeugenberichte von Zahava Stessel (USA) und Gilberto Salmoni (Italien)

16. April
KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
19 Uhr Film und Diskussion „Die Lebenden“

Jugend- und Kulturzentrum mon ami
19 Uhr Film und Gespräch „Ja, Andrei Iwanowitsch. Film über ein Leben“

17. April
Stadtmuseum Weimar
18.30 Uhr Vortrag und Gespräch mit Ute Daniel: „Fake-News – historisch betrachtet“

19. April
Rosensäle Jena
19 Uhr Vortrag und Gespräch mit Resa Memarnia: „Rassismus in Deutschland – Entwicklungen seit 1990 und gegenwärtige Erscheinungsformen“

22. April
Erinnerungsort Topf & Söhne Erfurt
15 Uhr Führung durch die Sonderausstellung: „Die I.G. Farben und das Konzentrationslager Buna-Monowitz. Wirtschaft und Politik im Nationalsozialismus“ und die Dauerausstellung

26. April
Erinnerungsort Topf & Söhne Erfurt
17 Uhr Führung durch die Sonderausstellung: „Jüdische Nachbarn in Thüringen. Integriert, ausgegrenzt, ermordet“

Erinnerungsort Topf & Söhne Erfurt
19 Uhr Vortrag und Gespräch mit Franka Maubach: „Chancen statt Scheitern? Wie sich unser Blick auf die deutsche Geschichte verändert hat“

27. April
Stadtmuseum Weimar
18.30 Uhr Vortrag und Gespräch mit Christiane Lemke: „Gegen das Establishment“: Der Rechtspopulismus in den USA

Weitere Angaben zu den Veranstaltungen, den Referenten und Gesprächspartnern finden sich in dem ausführlichen Kalendarium der Veranstaltungsreihe (siehe pdf).

Aktuelle Informationen sind den Webseiten der Gedenkstätten und ihren Facebook-Seiten zu entnehmen.

www.buchenwald.de
www.facebook.com/buchenwaldmemorial

www.dora.de
www.facebook.com/mittelbaudoramemorial