Fahrradverkehr im Blick – Verbesserungen für Bahn, Bus und Auto scheinen dringender

Die Bewerberinnen und Bewerber für das Jenaer Oberbürgermeister-Amt sehen im Radverkehr einen wichtigen Faktor für die Mobilität in der Saalestadt. Das ergab eine Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs drei Wochen vor der OBWahl am 15. April. Die Mehrheit der OB-Kandidaten sieht jedoch beim Öffentlichen Verkehr und motorisierten Individualverkehr deutlich größeren Nachholbedarf und möchte ihre Aktivitäten hauptsächlich auf diese Verkehrsarten lenken. 1 Verbesserungen für den Fahrradverkehr möchte die Mehrzahl der Befragten vorrangig in der Innenstadt realisieren.

Bei der Frage, welche Verbesserungen für Jenas Verkehr sie vorrangig umsetzen würden, nannten die Kandidaten 15mal solche für den Öffentlichen Verkehr einschließlich des Nah- und Fernverkehrs der Eisenbahn, elfmal solche für den Kraftfahrzeug-verkehr, fünfmal Radverkehrsprojekte und einmal Verbesserungen für Fußgänger. Maßnahmen zur Verbesserung des „Verkehrsklimas“, der Verkehrsleittechnik und der Aufgabenteilung zwischen den Verkehrsarten spielten eine untergeordnete Rolle.

Hauptsächlich für den Öffentlichen Verkehr wollen sich Frau Flämmich-Winckler, Herr Schröter und Herr Peisker engagieren, Herr Koppe und Herr Jankowski dagegen für den motorisierten Individualverkehr. Herr Nitzsche legt ein umfangreiches Konzept für alle Verkehrsarten vor, das jedoch Widersprüche in sich trägt. Herr Schröter, Herr Koppe und Herr Jankowski sehen beim Radverkehr keinen vorrangigen Handlungsbedarf. Mehrere Kandidaten erkennen eine Reihe von Unzulänglichkeiten, die das Radfahren abseits der gesonderten Radwege unattraktiv machen. Unklare Verkehrsführungen für Radfahrer, Konflikte mit Kraftfahrern und Fußgängern oder fehlende Abstellanlagen werden dort genannt. Sehr exakte Handlungsvorschläge zum Radverkehr liefern Frau Jänchen und Herr Peisker.

Der Radverkehrsbeirat als beratendes Organ für die städtischen Gremien wird von allen Befragten wegen seiner sachkundigen Analysen und Hinweise positiv wahrgenommen und auch in Zukunft für wichtig bis „unersetzlich“ erachtet. Mehrere OB-Kandidaten mahnen jedoch eine stärkere Vernetzung der für Verkehr zuständigen Akteure an und wünschen sich vom Beirat mehr Augenmerk auf großräumige Verbesserungen für den Radverkehr.

Als wichtigstes Handlungsfeld beim Thema „Fahrrad“ sieht die Mehrzahl der OB-Kandidaten die Innenstadt, deren Durchquerung zu Recht als unkomfortabel wahrgenommen wird; dabei werden auch Umgehungsvarianten über den Grabenring erwogen, ebenso wie eine Vielzahl kleinerer Maßnahmen im Stadtgebiet. Weiterhin werden von Frau Flämmich-Winckler und Herrn Peisker die Nord-Süd-Querung der Camsdorfer Brücke und von Frau Jänchen, Herrn Jankowski und Herrn Schröter die Radverbindung über das „Gleis 3“ zum Beutenberg als vorrangige Projekte genannt. Herr Nitzsche hinterfragt die Einrichtung von Schutzstreifen auf der Fahrbahn kritisch.

Insgesamt haben alle Befragten die Absicht, die Rolle des Fahrrades im Jenaer Stadtverkehr zu stärken, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Wir erwarten bei keinem Kandidaten einen radikalen Bruch mit dem bisherigen Kurs, aber auch keine signifikanten Verbesserungen in kurzer Zeit.

Der Wortlaut aller Antworten kann auf www.adfc-jena.de eingesehen werden.

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