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Kaum Bewerber für verschärftes Lebensmittel-Qualitätszeichen

Erfurt. Das verschärfte staatliche Lebensmittelsiegel „Geprüfte Qualität aus Thüringen“ stößt weiter auf wenig Interesse. Zweieinhalb Monate vor dem Neustart sei das Qualitätszeichen erst einem Unternehmen zuerkannt worden, teilte das Landwirtschaftsministerium MDR THÜRINGEN auf Nachfrage mit. Darüber hinaus hätten etwa zehn weitere Unternehmen Interesse bekundet, aber das Qualitätszeichen noch nicht beantragt. Das bisherige Siegel nutzen dagegen 114 Unternehmen. Die Zeit wird knapp, zumal nach Angaben des Ministeriums noch nicht für alle Produktgruppen Prüflabore verpflichtet worden seien. Unabhängig davon hatte die Behörde bereits zuvor mitgeteilt, dass es von der Bewerbung bis zur Zertifizierung etwa zwei bis drei Monate dauere. Das verschärfte Lebensmittelsiegel verlangt, dass die Produkte mindestens zu 90 Prozent aus Thüringer Zutaten bestehen. Bislang sind 50,1 Prozent ausreichend.

Die Lebensmittelhersteller sehen das kritisch. So hatte der Herstellerverband „Thüringer Ernährungsnetzwerk“ bereits in der Vergangenheit angemerkt, dass viele Zutaten nicht in ausreichender Menge in Thüringen erzeugt würden. Folglich könnten die Verarbeiter den Inhaltsanteil nicht erhöhen. Torsten Langbein von der Ablig Feinfrost GmbH in Heichelheim fürchtet, dass deshalb weniger Hersteller als bisher das Qualitätszeichen nutzen werden und es somit weiter an Bekanntheit verliert. „Man muss nicht vor selbsternannten Verbraucherschützern einknicken, wenn dann das Siegel nicht mehr lebt“, so Langbein. Angesichts der „Siegelflut“, spiele das Zeichen für Verbraucher und Einzelhandel keine Rolle. Sein Unternehmen werde das Qualitätszeichen dennoch weiterhin nutzen, weil der Freistaat die Siegelunternehmen bei Messen stärker fördere.

Die Geschäftsführerin von Hainich Konserven, Cornelia Beau, hofft, dass langfristig mehr Lebensmittelzutaten in Thüringen erzeugt und hergestellt werden. Für die wichtigsten Umsatzbringer, wie eingelegte Gurken, Rotkraut und Sauerkraut, wolle das Unternehmen aus Oberdorla auch das erneuerte Qualitätssiegel beantragen, sagte Beau MDR THÜRINGEN. Damit könne auch misstrauischen Kunden glaubhaft vermittelt werden, dass es sich um regionales Gemüse handele und dies auch kontrolliert werde.

Die Lebensmittelhersteller mahnen außerdem mehr Werbung für das staatliche Qualitätszeichen des Freistaats an. Cornelia Beau von Hainich Konserven wünscht sich mehr Pressearbeit und mehr Verbraucherwerbung und erinnert an die umfangreicheren Aktivitäten in den 1990-er Jahren. Auch Torsten Langbein von der Ablig Feinfrost GmbH weist darauf hin, dass damals TV-Sponsoring, Großplakate und ganzseitige Zeitungsanzeigen noch für Werbeeffekte gesorgt hätten. Wenn „Geprüfte Qualität aus Thüringen“ beim Verbraucher eine Rolle spielen solle, „dann müsste man richtig viel Geld in die Hand nehmen“, so Langbein.

Das Thüringer Qualitätszeichen wird für Lebensmittel wie Brot, Käse, Fleisch, Kartoffelprodukte, Säfte, Bier, Schnaps, Tiefkühllebensmittel oder auch Gärtnereiprodukte wie Zierpflanzen und Saatgut vergeben.

Weitere Details:

https://www.mdr.de/thueringen/verschaerftes-lebensmittelsiegel-ueberzeugt-kaum-hersteller-100.html

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