Gewalt gegen Lehrer*innen: Hilfe statt Schuldzuweisung ist notwendig

Erfurt. „Die Gewaltbereitschaft nimmt zu, der Weg von verbaler zu körperlicher Gewalt scheint immer kürzer zu werden und das unabhängig von der Schulart“, konstatiert Kathrin Vitzthum, Landesvorsitzende der GEW Thüringen nach der Veranstaltung am Abend des 12. April 2018. Heike Schiecke, Juristin der GEW-Rechtsstelle und Kai Christ, Landesvorsitzender der GdP Thüringen hatten zu einem vertrauensvollen Gespräch in die GEW-Landesgeschäftsstelle eingeladen.

Die Lehrer*innen konnten aus eigenem Erleben bestehende Ängste und Sorgen berichten, Erfahrungen austauschen und eine Menge Fragen loswerden: Wie erkenne ich Gefahrensituationen? Wie kann ich mich selbst wehren? Welche Rechte habe ich? Wie erstatte ich Anzeige und was kommt nach einer Anzeige auf mich zu? Darf die Polizei in die Schule gerufen werden? Wie schaffe ich nach Gewalt den Weg zurück in den Alltag Schule?

„Beleidigungen, aber auch Gewaltandrohungen seien mittlerweile an der Tagesordnung. Gewalttätige Übergriffe geschehen oft dann, wenn Lehrerinnen und Lehrer körperliche Auseinandersetzungen zwischen Schülerinnen und Schülern schlichten wollen“, fasst der GdP-Landesvorsitzende die Gesprächsrunde zusammen. Die Juristin der GEW Thüringen resümiert, dass Lehrer*innen eine umfassende Unterstützung brauchen und verweist auf die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers.

Lehrer*innen, die Gewalt erfahren haben, brauchen ebenso wie Langzeiterkrankte eine Unterstützung durch Maßnahmen des Gesundheitsmanagements und erleichterten Zugang zum schulpsychologischen Dienst. Wichtig ist aber auch, Lehrer*innen auf ihre zivilrechtlichen Ansprüche hinzuweisen.

Schulleiter*innen sind verpflichtet, besondere Vorkommnisse zu melden. Hier muss jedoch ein Klimawandel einsetzen, denn wer ein Problem meldet, hat immer häufiger das Gefühl, der Verursacher des Problems zu sein. Genau daran muss sich etwas ändern: „Schulen, in denen gehäuft besondere Vorkommnisse gemeldet werden, brauchen Hilfe und keine Schuldzuweisung, dass sie die Dinge nicht mehr im Griff zu haben“, so Kathrin Vitzthum. Ziel sei, dass sich das Bildungsministerium und die nachgeordneten Schulämter schützend vor ihre Pädagog*innen stellen – und somit eine Form der Wertschätzung der Arbeit der Thüringer Lehrerinnen und Lehrer praktizieren.


Über die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Thüringen:

Die Bildungsgewerkschaft GEW THÜRINGEN ist die größte und bedeutendste bildungspolitische Kraft in Thüringen. Sie organisiert aktive und ehemalige Beschäftigte an den Thüringer Bildungseinrichtungen. Schwerpunkte der politischen Arbeit sind die Bildungsgerechtigkeit, die Lern- und Arbeitsbedingungen an Kitas, Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie die Angestellten-, Beamten- und Tarifpolitik. Vorsitzende ist Kathrin Vitzthum.

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