Dîlan* ist Jesidin aus dem Irak und das 9te von 10 Kindern einer Familie, die seit knapp einem Jahr in einer sogenannten Notunterkunft für obdachlose Familien leben muss.

Lange nachdem die zeitweise ausgesetzten Mindeststandards zur Unterbringung und Sozialbetreuung in Gemeinschaftsunterkünften in Jena und Thüringen wieder gelten sollen, müssen einige Geflüchtete in Jena noch immer auf engstem Raum unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Laut Aussage der Stadt Jena leben seit Ende 2017 keine Geflüchteten mehr in Containern. Eine Ausnahme bilden dabei die Menschen, die mit 38 Personen – darunter 27 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren – nach wie vor in einer Containerunterkunft leben müssen. Dabei handelt es sich nicht um neu installierte und sauber instand gehaltene Unterkünfte, sondern um Container, die bereits lange Jahre zuvor als Unterkunft für Obdachlose genutzt und mit der Zeit heruntergewirtschaftet wurden.

Unter den 27 Kindern und Jugendlichen ist auch Dîlan, die als Jesidin mit ihrer Familie vor dem sogenannten Islamischen Staat aus dem Irak nach Europa fliehen musste. Vor knapp einem Jahr waren sie nach ihrer Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft gezwungen, aus der Gemeinschaftsunterkunft auszuziehen. Damit fielen sie zugleich aus der Sozialbetreuung des Fachdienst Soziales der Stadt und der Unterbringung in den Unterkünften für Menschen im laufenden Asylverfahren. Die Familie wurde dadurch obdachlos und musste in einer wieder eingerichteten Notunterkunft unterkommen, in der nicht einmal mehr die Mindeststandards für Flüchtlingsunterkünfte gelten.

Barbara Albrethsen-Keck ist Ankommenspatin und damit eine von vielen Menschen, die Geflüchtete in Jena bis heute unterstützen. Seit der Zeit in der Gemeinschaftsunterkunft begleitet sie Dîlan und ihre Familie auch bei der Wohnungssuche. Doch die Suche nach Wohnraum für die jesidische Familie in Jena blieb seit über einem Jahr erfolglos, während sich die Zustände in der Notunterkunft verschlechtern. Sie berichten Barbara von Erkrankungen aufgrund der hygienischen Zustände. Davon, dass das Wasser an den Seiten der Wände hereindringt, wenn es regnet oder schneit, den Flecken und dem Schimmel an den Wänden. Beengter Wohnraum, geteilte Gemeinschaftsduschen und Gemeinschaftstoiletten beschreiben den Alltag der Familie, der keinerlei Privat- und Intimsphäre zulässt. Im August wird Dîlan eingeschult. An einen eigenen Schreibtisch ist nicht zu denken. Ihre Geschwister erledigen die Hausaufgaben auf dem Bett, während ihre erkrankte Mutter im Nebenbett liegt. Unterstützerinnen wie Barbara helfen regelmäßig bei den Hausaufgaben und beim Lernen der neuen Sprache. Doch nach über einem Jahr finden sie für die Familie noch immer keinen Weg aus der Obdachlosigkeit.

Unterstützerinnen und Unterstützer sind empört über die katastrophalen Lebensbedingungen in denen die Familien und 27 Kinder und Jugendliche leben müssen. Dass in Jena noch immer Menschen in Containern unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen ist ein haltloser Zustand. Der Refugee Law Clinic Jena e.V. fordert daher das Ende der Unterbringung von Menschen in Containerunterkünften.

Am Donnerstag, den 19.04., sollen um 19 Uhr in der Welcome-Rathausrunde im Rathaus der Stadt (Markt 1) diese und weitere Herausforderungen in Jena nach dem langen Sommer der Migration 2015 diskutiert werden.

*Name geändert

Ansprechpartner: Philipp Millius
Organisation: Refugee Law Clinic Jena e.V.
Adresse: Carl-Zeiss-Straße 3
c/o Friedrich-Schiller-Universität Jena, 07743 Jena
Emailadresse: rlc_jena@riseup.net
Internetseite: www.rlc-jena.de oder auf facebook

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