Gewalt gegen Lehrer ist weiter ein massives Problem

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Lehrerverband: Wir brauchen die Debatte“

Erfurt. „Tabuthema Gewalt gegen Lehrer“ – unter diesem Motto stand eine am gestrigen Abend von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und dem tlv thüringer lehrerverband gemeinsam durchgeführten Veranstaltung. Mehr als 120 Gäste folgten der Einladung in das Comcenter Brühl in Erfurt, unter ihnen auch Vertreter aus der Politik und Schulverwaltung. „Wir freuen uns, dass mit Psychologen, Sozialarbeitern und Polizeivertretern zudem Menschen aus Berufen da waren, mit denen wir eine multiprofessionelle Vernetzung der Schulen anstreben“, erklärte Rolf Busch, Landesvorsitzender des tlv.

Maja Eib, Landesbeauftragte der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. für den Freistaat Thüringen, zeigte sich überwältigt von der starken Resonanz unter den Lehrerinnen und Lehrern. „Vor allem die Grundschulen waren stark vertreten und haben damit eindrucksvoll gezeigt, dass die Ergebnisse der Studie und der tlv-Umfrage der Realität entsprechen.“ Besonders bewegt zeigte sich die KAS-Landesbeauftragte von den Fallschilderungen durch Betroffene. „Wenn die Statistiken plötzlich ein Gesicht und eine Stimme bekommen, nimmt man das Problem Gewalt ganz anders wahr. Dann wird klar: Jeder einzelne Fall ist einer zu viel.“ Sie danke daher besonders allen Gästen, die aus dem Schutz der Anonymität herausgetreten sind und öffentlich von ihren Erfahrungen berichtet haben, für ihren Mut.

Gewalt gegen Lehrer ist weiter ein massives Problem

Dass das Thema Gewalt nach wie vor präsent ist an den Schulen, zeigte Rolf Busch anhand der Ergebnisse einer tlv-Umfrage vom März auf. „Auch anderthalb Jahre nach der aufsehenerregenden forsa-Studie zu diesem Thema gibt es keine Entwarnung“, resümierte Busch. Obwohl das mediale Interesse nach der Veröffentlichung der forsa-Studie im Herbst 2016 groß gewesen sei, würde inzwischen nur noch von extremen Einzelfällen berichtet. „Aber Beleidigungen, Bedrohungen und auch körperliche Angriffe gehören für viele Kolleginnen und Kollegen leider zum Alltag.“

Der tlv begrüße es deshalb, dass Thüringens Kultusminister Helmut Holter, derzeit Vorsitzender der Kultusministerkonferenz, in einem Interview mit dem MDR am 13. April ankündigte, das Thema Gewalt gegen Lehrer auf die Tagesordnung der nächsten Zusammenkunft der KMK im Juni dieses Jahres zu setzen. „Das Thema bundesweit zu diskutieren, ist ein deutliches Zeichen, dass die Politik das Problem anerkennt“, so Busch.

Eine Plattform für die Debatte schaffen

Maja Eib ging es bei der Veranstaltung vor allem darum, das Thema öffentlich zu diskutieren. „Wir brauchen eine Plattform, um eine gesellschaftspolitische Debatte zu führen. Die forsa-Studie war ein sehr wichtiger erster Schritt, aber ein paar Artikel in der Zeitung reichen leider nicht aus, um eine breite öffentliche und damit gesellschaftliche Wirkung zu erzielen. Letztendlich muss die Politik, aber auch die Gesellschaft hier dringend eine Antwort finden.“

Als Vortragende für die Podiumsdiskussion waren deshalb mehrere Experten eingeladen: neben Rolf Busch vom tlv ein Psychologe, eine Juristin, ein Vertreter der Polizeigewerkschaft sowie eine Mitarbeiterin der Universitätsklinik Heidelberg, die im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung die ersten Ergebnisse eines bereits implementierten Präventionsprogramms vorgestellt hat. „Bei der Planung lag uns am Herzen, nicht nur den Ist-Zustand zu analysieren, sondern auch Lösungsansätze zu bieten“, so Eib.

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