Jena. An den zehn Thüringer Hochschulen besteht ein Semesterticket, mit dem die Student*innen in ganz Thüringen mit Nahverkehrszügen fahren können. Dieses Semesterticket erwirbt das Studierendenwerk für alle rund 50.000 Student*innen. Die Student*innen müssen für dieses Ticket unabhängig davon, ob sie es nutzen oder nicht, einen Beitrag entrichten. Durch diesen gemeinschaftlichen Ticketerwerb ergibt sich ein vergünstigter Preis, welcher vertraglich für zwei oder mehr Jahre vereinbart wird.

In den Verhandlungen zwischen den Thüringer Studierendenschaften und den SPNV-Unternehmen haben letztere (darunter die Erfurter Bahn, die Südthüringenbahn, Abellio und die DBregio) ein für die Studierendenschaften inakzeptables Angebot vorgelegt:
In Erfurt, Weimar und Jena soll der Preis für das Bahnticket um 30,79 % steigen. Ilmenau, Schmalkalden, Nordhausen und Eisenach sollen zukünftig 64,66 % mehr bezahlen und Gera erwartet eine Preissteigerung von 73,06 %.

Donata Vogtschmidt von der KTS resümiert: „Die Bahngesellschaften sind der Meinung, nach der letzten, längeren Laufzeit des Vertrags, ein theoretisches Einnahmedefizit auf Kosten der Student*innen ausgleichen zu müssen. Eine plausible Rechnung konnten uns die Bahngesellschaften dazu bis heute nicht vorlegen. Die Forderungen sind aus der Luft gegriffen und entbehren jeglicher Grundlage!“

Außerdem wollen die Bahngesellschaften langfristig die Preisstaffelung des Semestertickets nach Hochschulstandort fallen lassen und die Preise ohne Berücksichtigung der verkehrlichen Anbindung an allen Standorten allmählich angleichen. Dieses Vorhaben bezeugt das fehlende Verständnis der Vertreter*innen der Verkehrsunternehmen für die studentische Position. Durch die bessere Verkehrsanbindung der zentralen Hochschulstandorte Erfurt, Weimar und Jena besteht dort ein deutlich größerer Nutzen für die Studierenden. An den weniger zentralen Standorten studieren hingegen viele aus der Region, die wegen mangelnder Nahverkehrsanbindungen häufig ohnehin mit dem Auto und selten durch ganz Thüringen mit der Bahn fahren.

Moritz Pallasch, Sprecher der KTS, äußert deshalb Kritik an der Kalkulation der Verkehrsunternehmen: „Die Studierendenschaften vertreten die Meinungen, dass eine realistische Preissteigerung für die Student*innen machbar wäre. Für unser Angebot haben wir deshalb die Mehrbelastung für SPNV Zeitkartenkund*innen seit den letzten Verhandlungen im Jahr 2014 untersucht und den SPNV-Unternehmen ein entsprechendes Angebot mit einer Preissteigerung von 9,4 % vorgelegt. Die Verkehrsunternehmen sind darauf nicht ansatzweise eingegangen. Daher lehnen die Thüringer Student*innenschaften das vorgelegte Angebot des SPNV klar ab“. Und, wie Donata Vogtschmidt ergänzt: „bei der dann eintretenden Kündigung des Tickets würden die SPNV-Unternehmen damit auf jährlich etwa 4,5 Millionen verzichten. Dass das für die Verkehrsunternehmen wirtschaftlich wäre, kann sich bei uns niemand vorstellen.“

Autor: Konferenz Thüringer Studierendenschaften | Carl-Zeiss-Straße 3 | 07743 Jena
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