17. August – 2. September 2018
Vorverkauf ab 2. Mai

In seiner 29. Ausgabe, die vom 17. August bis zum 2. September 2018 stattfindet, nimmt das Kunstfest Weimar das bevorstehende 100. Jubiläum des Bauhauses in den Blick.

Im Chaos nach dem Ersten Weltkrieg und der Novemberrevolution gründete Walter Gropius im April 1919 in Weimar eine neuartige Kunst- und Architekturhochschule – das Bauhaus. Mit neuen Materialien, frischen Utopien und technischer Sachlichkeit wurde hier an der Gestaltung der Zukunft gearbeitet. Zwischen Natur und Technik, Gesellschaft und Individuum sollte ein neues Gleichgewicht entstehen.

Unter dem Motto „Von Hochstaplern und Seiltänzern – wie das Bauhaus nach Weimar kam“ zeigt das Kunstfest zeitgenössische künstlerische Arbeiten, die das Bauhaus als Inspirationsquelle für heutige Fragen begreifen oder in der Tradition des Bauhauses stehen.

Die meisten der 26 Theaterproduktionen, Gastspiele, Kunstprojekte, Gesprächsreihen und Konzerte mit insgesamt etwa 90 Veranstaltungen wurden eigens für das Kunstfest 2018 entwickelt und machen den Besuch der Klassikerstadt Weimar während des Festivalzeitraums zu einem einzigartigen Erlebnis.


Von Hochstaplern und Seiltänzern – wie das Bauhaus nach Weimar kam

Wie vielgestaltig, kompliziert und produktiv das Verhältnis von Kunst, Gesellschaft und Politik ist, zeigt kaum eine Epoche so deutlich wie die kurze Zeit der Weimarer Republik: Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs befindet sich Deutschland in einem gewaltigen Umbruch. Die alte Gesellschaftsordnung ist noch nicht vollständig untergegangen, die neue noch nicht ganz da. Im Februar 1919 tritt in Weimar die Nationalversammlung zusammen, um der jungen Republik eine demokratische Verfassung zu geben.

In dieser Zeit der Unordnung und der gesellschaftlichen Ungleichgewichte wird im Frühjahr 1919 ebenfalls in Weimar eine neue Kunstschule gegründet, das Bauhaus. Mit seinem erklärten Ziel, vor dem Hintergrund des Industriezeitalters Handwerk und Kunst miteinander zu versöhnen, begreift es seine Arbeit als ein Ringen um Fortschritt und Modernität – in der Kunst und in der Gesellschaft.

Das Kunstfest Weimar eröffnet bereits in diesem Jahr den Reigen der Feierlichkeiten zum bevorstehenden 100. Bauhausjubiläum. Als programmatisches Leitmotiv dienen dabei zwei Figuren, die den Zustand der jungen Weimarer Republik auf besondere Weise zum Ausdruck bringen: der Hochstapler und der Seiltänzer. Beide symbolisieren das Leben in der Moderne zwischen Aufstiegschancen und Abstiegsängsten. Sie sind Produkte und Symbole einer Gesellschaft, die sich ihrer eigenen Ordnungsprinzipien nicht sicher ist und die verzweifelt um ihr politisches und gesellschaftliches Gleichgewicht ringt.

Im Zentrum des Festivalprogramms steht die von Janek Müller kuratierte und auf drei Orte verteilte Ausstellung »Wie das Bauhaus nach Weimar kam. Ein Archiv von Hitze und Kälte«.

Sie zeigt mit zeitgenössischer Kunst und historischen Objekten, wie das Bauhaus in politisch aufgewühlten Zeiten zu einer »Schule des Gleichgewichts« wurde. Die bekannte Figurenspielerin Suse Wächter macht den politischen Streit ums Bauhaus im Thüringer Landtag zur Grundlage ihrer Inszenierung »Hört, hört!«. Zu einer Erkundung des jüngst ausgerufenen »Quartiers Weimarer Moderne« rund um das neue Bauhausmuseum lädt die Weimarer Künstlerin Anke Heelemann ein. Die Reihe »Gespräche in der Bauhausküche« fragt, was »modern sein« heute bedeutet, während die von Jenny Brockmann entwickelte Gesprächsreihe »Kollektiver Dialog Gertrud Grunow« die erste Bauhausmeisterin in den Mittelpunkt stellt. Unter dem Titel »Die Zukunft ermitteln« werden die filmischen Experimente am Bauhaus vorgestellt, und in einem live animierten Film führt die Filmemacherin Katrin Rothe in die Farblehre des Bauhaus-Lehrers Johannes Itten ein.

Das Musiktheaterprojekt »Funkhaus Weimar – mit Nietzsche auf Sendung« von Michael Emanuel Bauer und Mathias Rebstock erweckt die verfallene ehemalige Nietzsche- Gedächtnishalle zum Leben und nimmt das Publikum auf eine Reise in die mitunter verworrene Ideenwelt des frühen 20. Jahrhunderts und deren teils katastrophale Folgen. Hochstapelei in gesteigerter Form, Selbstanmaßung und Selbstüberschätzung sind zentrale Motive in Shakespeares Klassiker »Macbeth«, den Christian Weise als opulente Farce inszeniert. In den Hauptrollen agieren Corinna Harfouch und Susanne Wolff. Sandra Hüller zeigt ihren fulminanten Monolog »Bilder deiner großen Liebe«, Wolfgang Herrndorfs Geschichte der Traumtänzerin Isa. In einer Lesung werden reale historische und literarische Hochstapler aus der Zeit der Weimarer Republik vorgestellt.

Gleichgewichtssinn ist besonders gefragt in der spektakulären Eröffnungsinszenierung »Mù – Cinématique des fluides« der französischen Straßentheatergruppe Transe Express, die bekannt ist für ihre in der Luft schwebenden »menschlichen Mobiles«. Mit Seilakrobatik fasziniert die Zirkusvorstellung »Vol d’usage« der ebenfalls aus Frankreich stammenden Compagnie Quotidienne.

An der Verbindung von neuen digitalen Technologien und Theater forschen die CyberRäuber aus Berlin, deren neues Projekt »Meet Juliet, Meet Romeo« beim Kunstfest seine Uraufführung erlebt. Mit einfachsten Materialien dagegen führt das Collectif Kahraba aus dem Libanon zu den Ursprüngen von Geschichten. Und mit 800 kg Salz erzählt die niederländische Gruppe Wild Vlees vom Verschwinden.

Das Kunstfest 2018 ermöglicht ein Wiedersehen mit der faszinierenden belgischen Choreografin Lisbeth Gruwez und dem Schweizer Geschichtensammler Mats Staub, der mit seinen Videoporträts »21 – Erinnerungen ans Erwachsenwerden« noch einmal in Weimar zu Gast ist.

Die belgische Künstlerin Miet Warlop macht bildende Kunst mit den Mitteln des Theaters. Ihre fulminante Musikshow »Fruits of Labor« steht in bester Bauhaus-Tradition – und bildet den Abschluss des diesjährigen Festivalprogramms.


Das Kunstfest Weimar ist Thüringens größtes und ein deutschlandweit bekanntes Kulturfestival. Es wird veranstaltet vom Deutschen Nationaltheater Weimar und gefördert durch den Freistaat Thüringen sowie die Stadt Weimar. Der Schwerpunkt zum 100. Bauhausjubiläum wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

Das Kunstfest Weimar findet 2018 zum letzten Mal unter der Leitung von Christian Holtzhauer statt, bevor er am 1.9.2018 sein neues Amt als Schauspielintendant und

Künstlerischer Leiter der »Internationalen Schillertage« am Nationaltheater Mannheim antritt. Holtzhauer hatte die Leitung des Kunstfests 2014 übernommen und das Festival stärker international ausgerichtet, gegenüber allen Kunstformen geöffnet und die Stadt Weimar und ihre Geschichte ins Zentrum des Festivals gerückt.


Vorverkauf ab 2. Mai 2018
Weitere Informationen sowie das vollständige Programm finden Sie unter www.kunstfest-weimar.de
Kartentelefon: 03643 / 755 334.

Quelle: Kunstfest Weimar.


Stand 0405 KFW 2018 Produktionsübersicht

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