ALLIANZ für Opel Eisenach fordert: Zusagen einhalten und das Eisenacher Opelwerk langfristig sichern

Eisenach. In der Wartburgstadt hat sich gestern (25. April) die ALLIANZ für Opel Eisenach gegründet. Das Bündnis wird von Landes- und Lokalpolitikern sowie Gewerkschaften, Betriebsräten, der Industrie- und Handelskammer sowie von Vereinen und Verbänden unterstützt. Die gemeinsame Botschaft: PSA muss seine Zusagen einhalten und das Eisenacher Opelwerk langfristig sichern. Oberbürgermeisterin Katja Wolf wird Opel-Konzernchef Michael Lohscheller zu einem Gespräch mit der ALLIANZ einladen.

Die gestern (25. April) in der Wartburgstadt neu gegründete ALLIANZ für Opel Eisenach ist ein Signal der Solidarität mit Opel Eisenach. „Für die Belegschaft und die Öffentlichkeit ist es wichtig zu sehen, dass diese Region das Opelwerk und die Automobilindustrie trägt“, betonte Oberbürgermeisterin Katja Wolf, die zum Gründungstreffen eingeladen hatte. Das Gremium, zu dem unterschiedliche Akteure aus Politik und Wirtschaft gehören, stellte klar, dass das Eisenacher Opelwerk für die gesamte Stadt und die Region bedeutend ist. PSA – so der einhellige Tenor – muss seine Zusagen einhalten und das Werk langfristig sichern.

Mit der Übernahme von Opel durch den französischen Konzern PSA sei die Hoffnung verbunden gewesen, eine europäische Unternehmenskultur zu leben. „Dass PSA keine klare Perspektive für Opel Eisenach gibt, enttäuscht mich“, so Katja Wolf. Und weiter: „Die Zeit läuft, wir brauchen schnell Investitionen in unser Werk. Die Oberbürgermeisterin nannte es „erpresserischen Druck“, der derzeit auf die Opelmitarbeiter ausgeübt werde. Damit ist gemeint, dass PSA mögliche Investitionen an Zugeständnisse der Mitarbeiter knüpft. Nach Auskunft der IG Metall verlangte das Unternehmen einen Verzicht der Gesamtopelbelegschaft auf die im Flächentarifvertrag vereinbarte Gehaltserhöhung in Höhe von 4,3 Prozent verzichten. Außerdem soll auch das Urlaubs- und Weihnachtsgeld gestrichen werden.

Als „hochgradig gefährlich“ bezeichnet Katja Wolf den von PSA eingeschlagenen Kurs. Dieser sieht aktuell vor, dass in Eisenach nur ein Modell produziert wird und man ein „kleines, aber feines Werk“ werden soll. „Das wäre ein Supergau für Eisenach, der

Tod auf Raten. Und ein langsamer Untergang, ein langsames Ausbluten“, sagte Katja Wolf. Das Eisenacher Werk wäre damit nicht mehr wettbewerbsfähig. Unterstützung fand die Oberbürgermeisterin in Uwe Laubach von der IG Metall. Er erläuterte, dass Opel Eisenach mit einem Ein-Schicht-Betrieb unrentabel sei. „Das Werk muss mehrschichtig fahren, um wirtschaftlich zu arbeiten“, bekräftigte er. Ein weiterer Knackpunkt der aktuellen Auseinandersetzung mit dem Neu-Eigentümer: PSA sei nicht bereit über das Jahr 2020 hinaus schriftliche Vereinbarung mit der Gewerkschaft zu unterzeichnen. Dabei drängt die Zeit. „Wenn 2019 ein neues Modell in Eisenach gefertigt werden soll, brauchen wir in den nächsten Wochen eine Entscheidung über die Investitionen. PSA hat zeitlichen Druck“, betonte Laubach. Denn nach Angaben von Eric Liebetrau (Betriebsrat Opel Eisenach) braucht es 100 Wochen, um ein neues Modell von der Planung bis hin zum ersten Auto auf den Weg zu bringen. Beide Fahrzeuge (zunächst Peugeot 3008, dann Opel Grandland X), die für den Standort Eisenach zu Disposition stehen beziehungsweise standen, werden bereits im französischen Sochaux gefertigt, so dass kein komplett neues Modell geplant werden müsste. Allerdings bedarf es eines gewissen zeitlichen Vorlaufs, um Firmen zu beauftragen, die die Fertigungslinien im Eisenacher Opelwerk entsprechend auf das neue Modell umbauen. Je länger die Entscheidung dauert, umso schwieriger wird es, diese Firmen zu finden – darin liegt die Ursache des Zeitdrucks.

Der Konflikt, in dem sich die Tarifpartner momentan befinden, ist groß. Die Aufgabe der Gewerkschaften wird es sein – so Uwe Laubach – von den Franzosen zu erfahren, wie die langfristigen Pläne aussehen. Welches Modell soll an welchem deutschen Standort gefertigt werden? Was ist an den deutschen Standorten (langfristig) geplant? Über 2020 hinaus gebe es aktuell dazu keine Aussagen von PSA. Eric Liebetrau dazu: „Man spürt derzeit nichts von dem Willen, investieren zu wollen. Erst, wenn die Arbeitnehmerseite zu weiteren tariflichen Zugeständnissen bereit ist, soll investiert werden. Alle Opelmitarbeiter in Deutschland haben über Jahre mehr als 270 Millionen Euro an Beiträgen gebracht und somit arbeitnehmerseitig den Vertrag erfüllt. Wir sind nicht gewillt, zweimal für ein und denselben Vertrag zur Kasse gebeten zu werden!“

Der Landrat des Wartburgkreises, Reinhard Krebs, forderte „alle Reserven, die die Politik bieten kann“ für den Standorterhalt von Opel Eisenach. Fachkräfte müssten in der Region gehalten werden. Dem stimmte Michael Klostermann (Fraktionsvorsitzender der SPD im Eisenacher Stadtrat) zu. „Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen“, sagte er und forderte eine Rückkehr der Verhandlungspartner an einen Tisch ohne weiterhin „Drohkulissen“ aufzubauen.

Einig waren sich die in der ALLIANZ vertretenen Partner auch, dass neben der politischen Ebene auch die Bevölkerung für den Opel-Erhalt mobilisiert werden muss – beispielsweise mithilfe einer Unterschriftensammlung. Dieses Thema sowie eine gemeinsame „Eisenacher Erklärung“ werden zeitnah angegangen.

Oberbürgermeisterin Katja Wolf informierte die Runde, dass sie am heutigen Donnerstag (26. April) an einem Gespräch in der Erfurter Staatskanzlei teilnimmt. Gesprächspartner von Ministerpräsident Bodo Ramelow und weiteren Vertretern der Landesregierung wird PSA-Generalsekretär Grégoire Olivier sein. Für diese Unterredung holte sich Katja Wolf ein Stimmungsbild der ALLIANZ-Partner. Der Vorschlag aus Eisenach wird lauten: Fertigung des Exklusivmodells Grandland X und als Zusatzvolumen Fertigung des Peugeot 3008. Beide Autos – so Laubach und Liebetrau – könnten auf der Eisenacher Plattform gebaut werden.

Katja Wolf wird außerdem Opel-Konzernchef Michael Lohscheller zu einem Gespräch mit der Allianz nach Eisenach einladen.


ALLIANZ für Opel Eisenach:
Die Allianz wird unterstützt von Ministerpräsident Bodo Ramelow, Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee, Oberbürgermeisterin Katja Wolf, Landrat Reinhard Krebs, der IG Metall, dem Opel Betriebsrat, Raymond Walk (Mitglied des Landtages und Fraktionsvorsitzender CDU im Eisenacher Stadtrat), Karin May (Fraktionsvorsitzende Die LINKE im Eisenacher Stadtrat), Jo West (Fraktionsvorsitz Bündnis 90/Die Grünen im Eisenacher Stadtrat), der IHK Erfurt, dem Gewerbeverein Eisenach 1991 e.V., Michael Klostermann ( Landesgeschäftsführer der SPD Thüringen und Fraktionsvorsitzender SPD im Eisenacher Stadtrat) sowie Fritz Hofmann (Fraktionsvorsitzender des Eisenacher Aufbruches im Eisenacher Stadtrat).

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