Von Sandro Schmalfuß - Sandro Schmalfuß, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=44728428

Chemnitz. In Kürze soll der internationale künstlerische Realisierungswettbewerb für einen Marktbrunnen in Chemnitz veröffentlicht werden. Der Planungs-, Bau- und
Umweltausschuss hatte die Stadt beauftragt, einen künstlerischen Wettbewerb zur Errichtung eines Marktbrunnens zu starten. Daraufhin legte die Verwaltung die Modalitäten fest – darunter eine Aufgabenbeschreibung, die zu erbringenden Leistungen ebenso wie das Verfahren. Ein Preisgericht, dem Kunstsachverständige, Baufachleute und politische Entscheidungsträger angehören, wurde berufen.

Am 1. Juni 2018 soll der internationale künstlerische Realisierungswettbewerb unter www.chemnitz.de und ebenso im Chemnitzer Amtsblatt veröffentlicht werden. Zuvor stellt das Baudezernat am 8. Mai 2018, 18 Uhr, im Haus Kraftwerk den Chemnitzern die Wettbewerbsinhalte wie auch das Preisgericht vor.

Das Verfahren

Der internationale Wettbewerb verläuft in zwei Stufen. Zunächst sollen teilnehmende Gestalter und Künstler in einem öffentlichen anonymen Wettbewerb ihre Ideen durch Skizzen und diezum Einsatz kommenden Materialien sowie technische Komponenten beschreiben. Auch sind die räumliche Situati on und die Höhenverhältnisse zum Umfeld grafisch zu verdeutlichen. Referenzen von bereits realisierten Projekten im öffentlichen Raum sollen die Jury bei ihrer Auswahl unterstützen.

Aus allen eingereichten Entwürfen wählt die Jury sieben bis maximal neun Ideen aus, die an der zweiten Wettbewerbsphase teilnehmen dürfen. In der zweiten Stufe reichen die Künstler ein Modell im Maßstab 1:20 ein, erläutern mit Zeichnungen und Beschreibungen ihren Entwurf und geben Auskunft zur möglichen Inszenierung mit Farben, Licht und Klang. Eine detaillierte Kostenschätzung gehört ebenfalls dazu.

Die Aufgabe

Ihren Marktbrunnen wünscht sich die Stadt als einen öffentlichen Ort, an dem sich Menschen gern begegnen und austauschen. Er soll ein Anziehungspunkt in der Stadtmitte sein und zum
Verweilen einladen. In ihren Entwürfen sollen die Gestalter das Wasser als bewegtes und bewegendes Element einsetzen und so ein Spannungsfeld zwischen dem fließenden Element
und dem Statischen der umgebenden Bauten erzeugen. Der Marktbrunnen soll interessant sowie markant und unverwechselbar sein, so lautet der definierte Anspruch der Ausschreibung. Und selbstredend erhofft sich die Stadt Brunnenentwürfe mit Bezug zu Chemnitz, das seine Entwicklung aus seiner Industrietradition und der Moderne schöpft. Die zeitgemäßen Gestaltungsentwürfe sollen ein Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Zukunft schaffen und so Identität stiften, die dem Leitbild der »Stadt der Moderne« gerecht wird.

Der Standort

Bei ihren Vorschlägen müssen die Gestalter berücksichtigen, dass der Standort des Chemnitzer Marktbrunnens seit 1998 feststeht. Die Voraussetzungen zur technischen Umsetzung sind bereits vorhanden. 1998 gab es einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Marktplatzes. Der Wettbewerbssieger, das Büro WES & Partner aus Hamburg, hatte den Brunnenstandort bewusst distanziert zum Rathaus gewählt und begründete dies folgendermaßen: »Das historische Rathaus und das Siegert ́sche Haus sind die einzigen historischen Gebäude innerhalb der gegenwärtigen Platzbegrenzung. Eine Zuordnung des Brunnens zu diesen Gebäuden sollte nicht erfolgen. Vielmehr war es Absicht, einen Standort zu finden, der dem Platz eine ruhige Mitte gibt.« Am Brunnen kreuzen sich künftig die Blickbeziehungen zwischen Bretgasse und Durchgang Altes Rathaus sowie zwischen Straße der Nationen und Rosenhof.

Das Wasserspiel zieht so bereits aus einiger Entfernung die Blicke der Passanten auf sich. Preisvergabe nach zweiter Phase

Die Arbeiten der zweiten Wettbewerbsstufe sollen am 29. April 2019 bei der Stadt Chemnitz eingehen. Danach beginnt die Arbeit der Jury. Es werden drei Preisträger ermittelt, die erst nach Abschluss des Verfahrens veröffentlicht werden. Neben dem Pre isgeld erhält der erste Preis den Zuschlag zur Realisierung des Chemnitzer Marktbrunnens. Der 1. Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Der 2. Preis wird mit 6.000 Euro und der 3. Preis mit 4.000 Euro honoriert. Die Entscheidung der Jury wird bis Mitte Juni 2019 getroffen.

Die Juroren

Die Jury besteht aus folgenden sieben Fachpreisrichtern: Susanne Altmann, Kunsthistorikerin und freie Kuratorin sowie Publizistin in Dresden, Prof. Else Gabriel, sie ist Professorin für Freie
Kunst und Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.

Jurymitglieder sind auch Matthias Flügge, Rektor der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und der renommierte Formgestalter Karl Clauss Dietel sowie Landschaftsarchitekt Stefan Leiste – beide Chemnitzer. Auch Jörg Steinbach, Professor für Flächendesign, Westsächsische Hochschule Zwickau, Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg, gehört der
Fachpreisrichter-Jury ebenso an wie zwei Kunsthistoriker: der neue Generaldirektor der Kunstsammlungen Chemnitz, Dr. Frédéric Bußmann, und als Stellvertreter Kulturbetriebsleiter Ferenc Csák.

Als Sachpreisrichter fungieren der Chemnitzer Baubürgermeister Michael Stötzer, die Stadträte Ulf Kallscheidt (SPD), Thomas Lehmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Tino Fritzsche für CDU/FDP und Kai Tietze (DIE LINKE). Zu den Sachpreisrichtern zählt ebenfalls Prof. Borczyskowski von der Henry van de Velde Gesellschaft Sachsen. Der Fraktionsmitarbeiter von VOSI/Piraten, Sandro Schmalfuß, und Joachim Zschocke von der Fraktion PRO Chemnitz, sind Stellvertreter der Sachpreisrichter.

Informationsveranstaltung zum Wettbewerb

Interessierte sind am 8. Mai 2018, 18 Uhr, ins Haus Kraftwerk eingeladen. Dort stellt die Stadt Chemnitz die Wettbewerbsinhalte wie auch das Preisgericht vor.

Die Fachpreisrichter vorgestellt:

Susanne Altmann, Kunsthistorikerin in Dresden: Susanne Altmann studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Geschichte in Dresden und NewYork. Als Kuratorin und Publizistin begleitete sie öffentliche Kunstprojekte, u.a. »Trichter« (2011) von Franka Hörnschemeyer. Sie war Jurymitglied u.a. der Kunstkommission Dresden, des BBR, der Kulturstiftung Sachsen und der Krupp-Stiftung Essen. Sie realisierte Museumsausstellungen u.a. in Nürnberg, Mannheim, Dresden sowie international.

Prof. Else Gabriel, Professorin für Freie Kunst und Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee: Sie studierte 1982 bis 1987 Bühnen- und Kostümbild an der Kunsthochschule in Dresden. Else Gabriel war Mitbegründerin der bis 1991 bestehenden performance-orientiertenKünstlergruppe »Auto-Perforations-Artisten« und als freiberufliche Künstlerin tätig.

Prof. Karl Clauss Dietel, Formgestalter, Chemnitz: Formgestalter Professor Karl Clauss Dietel wurde 2014 für sein Lebenswerk mit dem Designpreis der BRD (höchste deutsche Auszeichnung für Design) gewürdigt. In fast 60 Berufsjahren schuf er ein kaum überschaubares  Werk. Seine Design-Arbeiten reichen von Schreibmaschinen, Radios, Signets, Produktgrafiken,Maschinen, Fahrzeugen und Anlagen bis zur Architektur. Nutzerfreundlichkeit und Nachhaltigkeit sind ihm besonders wichtig. Er lehrte u.a. an der Burg Giebichenstein und war ab 1974 Vizepräsident im Verband Bildender Künstler und von 1988 bis 1990 dessen Präsident.

Stefan Leiste, Landschaftsarchitekt, Chemnitz: Dipl.-Ing. Landschaftsarchitekt Stefan Leiste ist seit 2008 als freier Landschaftsarchitekt tätig und Inhaber des Büros sLandArt Landschaftsarchitektur in Chemnitz. Er ist Mitglied der Architektenkammer Sachsen und im Vorstand des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten/Sachsen. Er entwickelte zahlreiche
öffentliche Freiräume in Chemnitz wie die Neugestaltung des Brühl Boulevards oder den Wilhelm-Külz-Platz.

Prof. Jörg Steinbach, Professor für Flächendesign, Westsächsische Hochschule Zwickau, Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg: Jörg Steinbach ist Künstler und außerdem seit 2009 Mitglied des Kulturbeirats der Stadt Chemnitz sowie seit 2011 Mitglied des Fachbeirats für bildende Kunst der Kulturstiftung des Freistaat Sachsen. Steinbach konzipiert hauptsächlich künstlerische Arbeiten für den öffentlichen Raum. Er arbeitet u.a. auf dem Gebiet der Malerei, Grafik, Installation und Skulptur.

Dr. Frédéric Bußmann, Generaldirektor der Kunstsammlungen Chemnitz (ab Mai 2018) Der promovierte Kunsthistoriker war als Kurator für das 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart im Museum der bildenden Künste in Leipzig tätig. Er hat umfangreiche kuratorische und wissenschaftliche Erfahrungen in verschiedenen größeren Museen und Institutionen auch im internationalen Kontext gesammelt. Seine bisherigen Stationen waren unter anderem in Berlin, Paris, Venedig und New York sowie in München.

Stellvertretender Fachpreisrichter – Ferenc Csák, Amtsleiter Kulturbetrieb Chemnitz: Kunsthistoriker Ferenc Csák war als Regierungsbeauftragter für die Kulturhauptstadt Europas 2010 im ungarischen Pécs sowie als Staatssekretär für Kultur im Ministerium für Bildung und Kultur in Ungarn tätig. Er war Generaldirektor der Ungarischen Nationalgalerie und leitet den
Kulturbetrieb Chemnitz seit Juli 2015. Verantwortlich zeichnet er heute auch für die Bewerbung der Stadt Chemnitz als »Kulturhauptstadt 2025«.

Sachpreisrichter

  • Michael Stötzer, Bürgermeister Stadtentwicklung und Bau
  • Ulf Kallscheidt, Fraktion SPD
  • Thomas Lehmann, Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
  • Tino Fritzsche, Fraktion CDU/FDP
  • Kai Tietze, Fraktion DIE LINKE
  • Prof. Borczyskowski, Henry van de Velde Gesellschaft Sachsen

Stellvertretende Sachpreisrichter

  • Sandro Schmalfuß, Fraktionsmitarbeiter VOSI/Piraten
  • Joachim Zschocke, Fraktion PRO Chemnitz

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