Schulträger mit höherem Finanzbedarf

Erfurt. In Thüringen nimmt das Interesse an freien Schulen weiter zu. Wie das Statistische Landesamt auf Anfrage von MDR THÜRINGEN mitteilte, lernen derzeit 17.650 Schüler an allgemeinbildenden Schulen von freien Trägern. Das sind rund 700 Schüler mehr als im Schuljahr 2016/2017. Damit lernt jeder neunte Schüler an einer freien Schule.

Einer MDR-Umfrage unter Schulträgern zufolge sind die Anmeldezahlen auch für das neue Schuljahr gestiegen. Laut der Landesarbeitsgemeinschaft der freien Schulen ist die Nachfrage an einigen der 101 allgemeinbildenden Schulen um das Zwei- bis Dreifache höher als die vorhandenen Plätze. Vielerorts gebe es Wartelisten. Sprecher Martin Fahnroth zufolge wollen die Eltern, dass ihre Kinder in einem besonderen Schulklima individueller gefördert werden. Vielen seien auch christliche Werte wichtig.

Die evangelische Schulstiftung Mitteldeutschland verwaltet als größte Schulträgerin 18 allgemeinbildende Schulen. Sie kritisiert, dass die Finanzhilfe des Landes nicht reicht und nicht die tatsächlichen Schülerkosten abbildet. Den Anteil des Landes an der Finanzierung der Schulen beziffert der Vorstandsvorsitzende Marko Eberl auf rund 55 Prozent.

Im katholischen Bistum Erfurt deckt die Finanzhilfe „knapp über 70 Prozent der laufenden Kosten“, so Schulabteilungsleiter Martin Fahnroth. An der Bergschule in Heiligenstadt müssten deshalb die Eltern im kommenden Schuljahr mehr Geld zahlen. Der zu niedrige Fördersatz für die Gymnasien in den Klassenstufen 5 bis 10 müsse dringend erhöht werden. Die Schulträger fordern deshalb ein externes Schülerkostengutachten. Das hält das Bildungsministerium für unnötig.

Auch CDU-Bildungsexperte Christian Tischner sieht Handlungsbedarf. Es müssten bei der Berechnung der Finanzhilfe die Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst und die Inflation stärker beachtet werden.

In diesem Jahr zahlt das Land den freien Trägern von allgemeinbildenden Schulen rund 141 Millionen Euro. Das Bildungsministerium will im Sommer kommenden Jahres prüfen, ob die Höhe der staatlichen Finanzhilfe angemessen ist. Die gesetzlichen Regelungen dafür laufen Ende 2020 aus.

Sorge bereiten freien Schulträgern auch der Lehrermangel und die zu geringen Ausbildungsplätze an Universitäten und Studienseminaren in Thüringen. Eine mögliche Verbeamtung hat bisher offenbar nur vereinzelt Lehrer an staatliche Schulen gelockt.