»Chrysantheme und Falke« – Ausstellung im Weimarer Stadtschloss beleuchtet die Beziehungen Großherzog Carl Alexanders zu Japan

Weimar. Anlässlich des 200. Geburtstages von Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach (1818–1901) zeigen Klassik Stiftung Weimar, Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) und das Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar vom 4. Mai bis 1. Juli 2018 die Kabinettausstellung »Chrysantheme und Falke. Carl Alexander und Japan – Weimar ∙ Jena ∙ Tokyo« im Weimarer Stadtschloss. Die Schau stellt Carl Alexanders vielfältige und intensive Beziehungen zu Japan anhand größtenteils bislang unbekannter Dokumente, kunstgewerblicher Objekte und Kunstwerke vor. Grundlage der Ausstellung sind die langjährige Forschungkooperation der drei Institutionen sowie ein Forschungsprojekt der FSU, des Hauptstaatsarchives Weimar und der Fukuoka sowie Kyushu-Universitäten in Japan.

Symbolisch im Zentrum stehen dabei die namensgebenden Orden, die sich der Weimarer Großherzog und der Japanische Kaiser Mutsuhito (1852–1912) als Zeichen ihrer gegenseitigen Wertschätzung verliehen. Carl Alexander erhielt Anfang der 1880er-Jahre den Kaiserlich Japanischen Chrysanthemen-Orden, während Mutsuhito 1882 mit dem Großkreuz des Großherzoglichen Hausordens der Wachsamkeit oder vom weißen Falken geehrt wurde. Beide Orden stellten die jeweils höchste Auszeichnung dar, die Weimar und Tokyo vergeben konnten.

Diese enge Verbindung der Höfe, ihre Voraussetzungen und ihre Folgen beleuchtet die Ausstellung in vier thematischen Abschnitten.

Der erste Bereich »Biografie und Dynastie« mit bisher noch nie gezeigten Portraitgemälden ist Carl Alexanders weltoffener Regentschaft gewidmet. Mehrsprachig aufgewachsen und humanistisch gebildet strebte der Großherzog danach, Weimar zu einem kulturellen Zentrum Deutschlands auszubauen. Gleichzeitig stärkte er die internationale Bedeutung des Weimarer Hofes durch zeitlebens enge Beziehungen zu Russland sowie zu den Niederlanden, deren Prinzessin Sophie von Oranien-Nassau er 1842 heiratete. Aufgrund seiner guten politischen Vernetzung trat Carl Alexander häufig als Vermittler auf, wenn sich zwischen Japan, dem er großes persönliches Interesse entgegenbrachte, und den europäischen Mächten diplomatische Schwierigkeiten entwickelten.

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Der internationalen Öffnung Weimars stellt der zweite Themenbereich »Staat und Gesellschaft« die internationale Öffnung Japans ab 1853 und insbesondere nach dem Regierungsantritt des aufgeklärten Mutsuhito 1867 gegenüber. Auf der Wiener Weltausstellung 1873 erlebte Carl Alexander persönlich die erste umfangreiche Selbstpräsentation Japans in Europa und begann im Folgenden, enge wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen aufzubauen. Unter anderem zeigt die Kabinettausstellung mehrere japanische Kunstgegenstände, die der Weimarer Großherzog ankaufte und dem Weimarer Kunstgewerbe als Inspiration zur Verfügung stellte. Umgekehrt thematisiert die Schau auch die Arbeit des von Carl Alexander protegierten »Allgemeinen evangelisch-protestantischen Missionsvereins« in Tokyo und Yokohama, der christlich-kulturelle Werte außerhalb Deutschland bekanntzumachen suchte.

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Mit der Missionsarbeit eng verbunden und ihr zum Teil sogar vorgelagert war der Austausch im Bereich »Universität und Wissenschaft«. Seit 1877 konnten auf Carl Alexanders Initiative hin Japaner an der Jenaer Universität studieren, wie Prüfungsprotokolle und Dissertationsschriften in der Ausstellung dokumentieren. In Tokyo richtete die japanische Regierung unterdessen mit Weimarer Unterstützung eine Schule des Vereins für deutsche Wissenschaft ein, die auch auf ein Studium in Deutschland vorbereiten sollte. Als Ausbildungsstätte für arme Tokioer Mädchen entstand zudem eine Klöppelschule, die lange Jahre von der Thüringerin Ida Hering geleitet wurde.

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Im Rahmen des wissenschaftlichen Austauschs gelangten auch verschiedene Kunstobjekte über den Großherzog an die Jenaer Universität. Die Ausstellung im Weimarer Stadtschloss zeigt vier japanische Farbholzdrucke sowie Beispiele aus einer Münzsammlung, die Carl Alexander später dem Ethnographischen Museum in Jena übergab. Doch auch für die Sammlungen des Großherzoglichen Museums und der Permanenten Ausstellung für Kunst und Kunstgewerbe ließ Carl Alexander japanisches Kunstobjekte ankaufen. Darunter befinden sich ein Konvolut von 20 Holzschnitten, deren Herstellungstechnik sich der letzte Bereich der Kabinettausstellung »Kunst und Kultur« in besonderem Maße widmet.

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Ausstellungsdaten
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»Chrysantheme und Falke. Carl Alexander und Japan – Weimar ∙ Jena ∙ Tokyo«

Kabinettausstellung der Klassik Stiftung Weimar, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Landesarchivs Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar zum 200. Geburtstag Großherzog Carl Alexanders von Sachsen-Weimar-Eisenach

4. Mai bis 1. Juli 2018 | Di–So 10–18 Uhr

Eintritt inkl. Schlossrundgang: Erw. 5,50 Euro | erm. 4 Euro | Schüler (16–20 Jahre) 2 Euro | Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren frei.