Die Künstler Horst Hoheisel (l.) und Andreas Knitz eröffnen am 15. Mai die „Artist Talks“ in Jena. (Foto: Anne Günther/FSU)
Die Künstler Horst Hoheisel (l.) und Andreas Knitz eröffnen am 15. Mai die „Artist Talks“ in Jena. (Foto: Anne Günther/FSU)

Künstler-Duo Hoheisel & Knitz eröffnet die Gesprächsreihe am 15. Mai in der Villa Rosenthal in Jena

Die Künstler Horst Hoheisel und Andreas Knitz eröffnen die „Artist Talks“ in Jena. Die Gesprächsreihe begleitet den Wettbewerb zum Botho Graef-Kunstpreis 2018, der dem Gedenken an Eduard Rosenthal gewidmet ist. Im Gespräch mit Kuratorin Prof. Dr. Verena Krieger von der Universität Jena äußern sich die Künstler am 15. Mai, 19 Uhr, in der Villa Rosenthal in Jena (Mälzerstr. 11) über ihre Arbeiten zur Erinnerungskultur.

International bekannt wurde Horst Hoheisel (*1944 in Posen) mit dem während der documenta 8 realisierten Mahnmal zum Aschrottbrunnen (1987). Der vom jüdischen Industriellen Sigmund Aschrott gestiftete Brunnen vor dem Kasseler Rathaus war von den Nationalsozialisten zerstört worden. Hoheisel rekonstruierte den Brunnen als in den Boden ragende Negativ-Form, in der das Wasser in die Tiefe stürzt. Er wurde damit zu einem Hauptvertreter neuer künstlerischer Formen der Erinnerungskultur.

Seit 1994 arbeitet Horst Hoheisel gemeinsam mit Andreas Knitz (*1963 in Ravensburg) als Künstler-Duo. In Thüringen haben sie bereits das Denkmal „Zermahlene Geschichte“ (1997-2002) im Hof des Thüringer Staatsarchivs in Weimar und das „Denkmal für ein Denkmal“ (1995) auf dem Appellplatz des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald geschaffen.

„Denkmal für ein Denkmal“

Das „Denkmal für ein Denkmal“ ist eine quadratische Metallplatte, die dauerhaft auf eine Temperatur von 37 Grad gebracht wird. Mit ihrem Grundriss erinnert sie an das unmittelbar nach der Befreiung der Häftlinge erinnerte provisorische Mahnmal auf dem Lagergelände. Der amerikanische Präsident Barack Obama hat hier 2005 eine weiße Rose niedergelegt.

Große Aufmerksamkeit erlangte auch ihr „Mahnmal der Grauen Busse“, das seit 2007 an die sogenannte Euthanasie-Aktion der Nationalsozialisten erinnert. Es besteht aus zwei Beton-Nachbildungen der grauen Busse, mit denen die Behinderten zu den Tötungsanstalten transportiert wurden. Einer dieser Busse steht dauerhaft bei der ehemaligen Heilanstalt Ravensburg-Weissenau, der andere wird jeweils für einige Monate in einer deutschen Stadt aufgestellt. Er war unter anderem bereits in Berlin, Frankfurt, Köln, München, Pirna und Heilbronn.

Ein dezentrales Denkmal

Das „Mahnmal der Grauen Busse“ ist ein dezentrales und bewegtes Denkmal, wie es auch im Ergebnis des Wettbewerbs um den Botho Graef-Preis 2018 entstehen könnte. Neun Künstlerinnen und Künstler wurden eingeladen, unter dem Titel „Das verschwundene Bildnis“ ein dezentrales Denkmal für den Jenaer Rechtswissenschaftler, Rektor der Universität und Vater der Thüringer Landesverfassung Eduard Rosenthal (1853-1926) zu entwerfen. Rosenthals Porträt war nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten aus der Universitäts-Sammlung von Professorenbildnissen entfernt worden und ist seit 1944 verschollen. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und seines demokratischen Engagements sollte Eduard Rosenthal aus dem kulturellen Gedächtnis gelöscht werden.

Den Botho Graef-Kunstpreis lobt die Stadt Jena seit 1992 alle drei Jahre aus. 2018 findet er in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena statt. Angestrebt wird eine künstlerische Arbeit, die Eduard Rosenthal würdigt und zugleich sein verschwundenes Bild als Leerstelle markiert. Das dezentrale Denkmal soll an den verschiedenen Wirkungsorten Eduard Rosenthals errichtet werden.

Termin Artist Talk:
Dienstag, 15. Mai, 19 Uhr, Villa Rosenthal, Mälzerstr. 11. Der Eintritt ist frei.