Die Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser (AbBA), vergibt 2018 erstmalig diesen Preis für „herausragende Leistungen zur Schwächung der Kunst in Berlin“.
Personen, Firmen, Organisationen, aber auch Regeln oder Mechanismen können ab sofort vorschlagen werden. Im Fokus steht vor allem die problematische Ateliersituation.
 
Der Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses rechnet damit, dass jedes Jahr 350 bezahlbare Ateliers verloren gehen, vor allem wegen steigender Mieten.
Laut des „Masterplans Art Studios 2020“ des Atelierbeauftragten für Berlin braucht Berlin bis 2020 2.000 neue Ateliers, um wenigstens einem Drittel der ca. 8.000 Bildenden Künstler*innen einen Atelierplatz zu sichern. Die Rot-Rot-Grüne Koalition hat sich lediglich dazu bekannt, bis 2021 2.000 Ateliers und Arbeitsplätze für alle Kunstsparten zu sichern. Allein in diesem Jahr gehen wir von einem Bedarf von zusätzlich 500 bezahlbaren Ateliers für Bildende Künstler*innen aus. Nach wie vor werden zu wenige neue Ateliers umgesetzt.
Laut dem Atelierbeauftragten für Berlin fehlen mittelfristig sogar 4.000 neue Ateliers allein für Bildende Künstler*innen. Von Musikern, darstellenden und interdisziplinären Künstler*innen ganz zu schweigen.
 
Wie Klaus Lederer selbst bemerkt, herrscht sowohl bei Bezirken als auch beim Land Berlin noch weitgehend „Hilflosigkeit“gegenüber den Praktiken des privaten Immobilienmarktes und der Immobilienwirtschaft, die weitgehend Narrenfreiheit genießen. Natürlich gibt es auch hausgemachte Probleme in der Politik. Glaubt man zum Beispiel wirklich, das Atelierproblem ohne die Akteure aus Kunst und Kultur und wohlgesinnten Immobilienbesitzern lösen zu können?
 
Damit diese Hilflosigkeit dem Vertrauensverlust in die demokratischen Institutionen nicht zu sehr in die Hände spielt, meinen wir von AbBA, dass besonders rabiat und perfide vorgehende Organisationen und Strukturen klar benannt und somit Thema einer öffentlichen Debatte werden müssen.
Passend zur Leistungsschau der Art Week bereitet der WEAK ART Award 2018 „herausragenden“ und „effizienten“ Kunst-Schwächern den Weg auf ein bitteres Siegertreppchen. Mit der Aktion will die Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser einmal mehr auf den akuten Handlungsbedarf zur Ausschöpfung aller rechtlicher und kooperativen Möglichkeiten hinweisen.
 
„Keine Gesprächsbereitschaft“, „fristlos gekündigt“, „als Investoren in das Gebäude verliebt“, „kreatives Coworking“, „leider nicht deckungsgleich“ – Anlässlich der Art Week (26.-30.Sept. 2018) werden solche Phrasen ab jetzt von der Kunstszene durch einen Gegen-Preis gewürdigt.
Zum Kreis der Nominierten dürfen sich Vertreter*innen und Organisationen der Immobilienindustrie, Politiker*innen, aber auch kulturpolitische Konstrukte und sogar Künstler*innen potentiell selbst zählen.
Ausschlaggebend für die Jury, die AbBA Academy, sind Verhaltensweisen bzw. das Schaffen und Erhalten von Wirkmechanismen, die nicht mehr zu bezahlende Arbeits- und Projekträume und/oder deren Kündigungen bewirken. Auch destruktive Kommunikationsstrategien wie Gesprächsverweigerung oder Hinhalte- und Zermürbungstaktiken gelten ebenfalls als kunstschwächende Faktoren, wie sie sich eindrucksvoll in der aktuellen Atelier- und Kulturraumnot beobachten lassen.
Jahrelang ging solches Verhalten unsichtbar vonstatten, nun wollen wir diesem mit dem WEAK ART AWARD eine Stimme geben.

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