Jena. Am Samstag, 6. Oktober, wird Frau Dr. Cornelia Ilbrig, eine der Kuratorinnen der Ausstellung „August Wilhelm Schlegel – Aufbruch ins romantische Universum“, die zur Zeit im Romantikerhaus gezeigt wird, mit einem Vortrag das Leben der streitbaren Gruppe um die Brüder Schlegel in Jena am Ende des 18. Jahrhunderts nachzeichnen. In den Jahren 1798/99 erregten die Frühromantiker gleich mit drei Publikationen enormes Aufsehen: erstens mit den „Fragmenten“ in der frühromantischen Zeitschrift „Athenaeum“, zweitens die darin enthaltenen „Teufeleyen“ von August Wilhelm Schlegel und drittens Friedrich Schlegels Roman „Lucinde“, die bei den meisten zeitgenössischen Rezensenten heftige Ablehnungsreaktionen hervorriefen.

Gleichzeitig hatten die Schlegels diese Art Widerstand tatsächlich provoziert, trägt doch Friedrich Schlegels in einem Brief an den Bruder vom 31. Oktober 1797 formulierter Plan Züge einer Kriegserklärung: „Ein […] großer Vortheil dieses Unternehmens würde wohl seyn, daß wir uns eine große Autorität in der Kritik machen, hinreichend, um nach 5–10 Jahren kritische Dictatoren Deutschl. zu seyn, die A.L.Z. zu Grunde zu richten, und eine kritische Zeitschrift zu geben, die keinen andren Zweck hätte als Kritik. – […] es muß auch […] allen andern schlechten aber geltenden krit. Journalen offen Krieg ankündigen.“ Die weitgehend geschlossene Front, die sich gegen die skandalträchtige junge Generation von Autorinnen und Autoren richtete, ließ die Gruppe überlegen, gemeinsam an einen Ort zu ziehen. So zogen im September/Oktober 1799 Friedrich Schlegel und seine Lebensgefährtin Dorothea mit ihren Sohn Philipp mit ein in das Döderleinsche Haus in der Leutragasse 5. Jena wird nun gemeinhin als Keimzelle der Frühromantik gesehen, weil hier ab Herbst 1799 bis zum Frühjahr 1801 häufig die Frühromantiker zusammenkamen, um der deutschen Literatur neue Impulse zu geben. Die Vereinigung von Leben und Kunst ist ihr großes Ziel: „die Poesie lebendig und gesellig, und das Leben und die Gesellschaft poetisch machen“ (116. Athenaeums-Fragment).

Gleichzeitig war die Jenaer WG eine Zentrale für Klatsch und Tratsch unterster Schublade, Dorothea Veit beschreibt sie in einem Brief an Sophie Bernhardi vom 16.1. 1800 als „Republik von lauter Despoten“, in der sich die Leute „zanken wie die Buben“. Ludwig Tieck, ein häufiger Gast der Schlegels in Jena, bezeichnet die Wohngemeinschaft in einem Brief an seine Schwester vom 6. Dezember 1799 als „Einzige Schweinewirthschaft“ und schildert das Zusammenleben im weiteren Verlauf des Briefes als einziges Skandalon, weshalb die Schlegels in Jena „fast durchgängig gehaßt“ seien.

Der Vortrag spürt den Ursachen für die extreme Negativwahrnehmung der frühromantischen Gruppe sowohl in ihren Texten (den „Fragmenten“, den „Teufeleyen“ und der „Lucinde“) als auch ihrer Lebensform in Jena nach und skizziert die – teilweise auch längerfristigen – Ausgrenzungspraktiken der Zeitgenossen gegen die junge Generation.

Die Veranstaltung beginnt im Romantikerhaus am Samstag, 6. Oktober, im Romantikerhaus um 15 Uhr.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!

Ich akzeptiere

Please enter your name here