Kammerchor und Collegium musicum der Kantorei der Stadtkirche St. Michael unter Leitung von KMD Martin Meier (obere Reihe, 4. von rechts) in der Sophienkathedrale von Polozk, Weißrussland.
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Eine Reise in die unbekannte Mitte Europas

Jena. Der Wunsch nach Austausch und Versöhnung stand im Mittelpunkt der Reise des Collegium musicum und des Kammerchores der Stadtkirche St. Michael nach Weißrussland.

Am 29. September 2018 begaben sich die 30 Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von KMD Martin Meier auf die Reise nach Belarus. Anlass der Reise war die Einladung des deutschen Botschafters, Peter Dettmar, zu den Deutschen Wochen, die vom 23.September bis zum 18. November 2018 in elf verschiedenen Städten in Weißrussland stattfinden. Das musikalische Gepäck umfasste die Bach Kantaten – „Nun komm, der Heiden Heiland“ (BWV 61) und „Christ lag in Todesbanden“ (BWV 4), Werke, die in Weißrussland kaum bekannt sind. Neben den Kantaten erklangen als Orchesterwerke das Orgelkonzert in g-moll op. 4 Nr. 3 von Georg Friedrich Händel und das Violinkonzert d-moll RV 242 von Antonio Vivaldi. Feierlichen Abschluss eines jeden Konzertes bildete das „Tollite hostias“ von Camille Saint-Saëns. Vier Mal brachten die Jenaer dieses einstündige Konzert an drei verschiedenen Städten insgesamt mehr als 1.000 Zuhörer zu Gehör.

Gleich zweimal musizierten die Thüringer in der weißrussischen Landeshauptstadt in Minsk – in der Musikakademie und der Marienkirche. Das Konzert in der Marienkirche nutzte der Jenaer Verein InterCoral e.V. um einen Nachwuchsförderpreis in Höhe von 500 Euro auszuloben. Die Wahl fiel auf die Organistin Katja Iwanowa, die das zweckgebundene Stipendium für die Finanzierung einer Konzert- und Studienreise im Sommer 2019 nach Jena und Weimar nutzen wird.

Offizieller Höhepunkt der Reise war der Empfang des deutschen Botschafters am Vorabend zum Tag der deutschen Einheit zu dem sich rund 500 Vertreter aus Wirtschaft, Kultur und Politik in der Internationalen Bildungs- und Begegnungszentrum (IBB) in Minsk einfanden. Botschafter Dettmar warb in seiner sehr bewegenden Ansprache für die Verständigung zwischen den Nationen und für ein menschliches Miteinander in Europa und der Welt. Gedanken, die auch der stellvertretene Außenminister Weißrusslands, Oleg Krawtschenko, in seiner Rede im Anschluss aufgriff. Kammerchor und Orchester der Stadtkirche St. Michael eröffneten den offiziellen Festakt mit den Hymnen der Bundesrepublik Deutschland, der weißrussischen Republik und der Europäischen Union.

Der Anspruch der Reise zur Versöhnung beizutragen, erlebte mit dem Besuch der Nationalen Gedenkstätte in Chatyn wiederum einen emotionalen Höhepunkt; den Ort, der seit 1969 an die Verbrechen der Nationalsozialisten gegenüber der weißrussischen Bevölkerung während des Zweiten Weltkrieges erinnert. Bewegt von der Erinnerungskultur des Ortes legten die Thüringer einen Kranz in den Jenaer Stadtfarben nieder und hielten eine musikalische Andacht am zentralen Mahnmal der Gedenkstätte.

Auch auf den Konzerten in Polozk und Hrodna trafen Chor und Orchester auf ein interessiertes und aufgeschlossenes Publikum, dass beiden Konzerten mit viel Applaus dankten. Stets freundlich und offenherzig wurden die Musikerinnen und Musiker von den Gastgebern in Weißrussland empfangen.

Diese Gesten unterstreichen die Funktion von Musik, Grenzen jedweder Art zu überwinden und dass der persönliche Kontakt der Schlüssel für Austausch und Versöhnung ist.

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