Jena. Am frühen Dienstagmorgen begannen die Mitarbeiter vom Kommunalservice Jena (KSJ), die Bäume um die Insel herum zu fällen. Dank des Protestes konnte ein Teil des Grüns zwar erhalten bleiben, doch wurden bis zum Mittag ungefähr ein Dutzend Bäume und viele Sträucher abgeholzt. Dabei wurden nicht nur Zäune und private Gegenstände zerstört sondern auch Menschenleben gefährdet.

Noch weit vor sieben Uhr wurde zu drei Seiten gleichzeitig von den Gehwegen aus mittels Hebebühnen an den Bäumen auf dem Grundstück gesägt. Gegen sieben Uhr kamen Insulaner*innen hinzu. Im Laufe des Vormittags sind bis zu 50 Menschen vor Ort gewesen, welche gegen die Arbeiten protestierten. Hohe Vertreter von Stadt und Land, namentlich Herr Dr. Gentsch (TMWWDG), Uwe Feige (Leiter von KSJ) und Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche schauten dem Geschehen zu und duldeten die offensichtlichen Rechtsbrüche und vorsätzliche Gefährdungen von Menschenleben!

KSJ hat sich an mehreren Stellen fahrlässig und entgegen ihrer Dienstvorschriften verhalten. Es wurden schwere Äste ungesichert von Bäumen gesägt, während Menschen darunter standen. Auch nach Aufforderungen, diese Gefährdung einzustellen, wurde minutenlang nicht reagiert. Ministeriumsvertreter fragten nur, warum dort Menschen seien, die KSJ-Mitarbeiter reagierten von selbst nicht, die Einsatzleiterin von KSJ rief lieber zunächst die Polizei, statt zuerst die Arbeiten einstellen zu lassen. Eine Absperrung der Straße kam an manchen Stellen zu spät.

Zudem wurden Kettensägearbeiten mehrfach wenige Zentimeter von den Körpern der Aktivist*innen entfernt durchgeführt (siehe Foto von Libertad Media). Bei jedem Kettensägenlehrgang wird ein Sicherheitsabstand von mindestens 2 m zu anderen Personen gelehrt. Neben unzähligen Beleidigungen seitens der KSJ-Mitarbeiter wurden einzelne von diesen sogar handgreiflich. Einer von ihnen versuchte mit einer Zaunlatte eine*n Aktivist*in von dem Zaun zu schlagen, ein anderer zerrte jemanden auf einer Holzpalette umher. Anzeigen wegen dieses rechtswidrigen und gefährlichen Verhaltens werden erstattet werden müssen.

Kurios war zudem, dass die Mülltonnen entfernt wurden, die erst nach längeren Verhandlungen zurückgebracht wurden. Verstanden hat das vor Ort niemand, da noch immer zwei Wohnungen mietrechtlich geschützt sind und bewohnt werden. Manche Mitarbeiter schienen sichtlich Freude daran zu haben, den Inselgarten zu verwüsten. Unnötigerweise wurden ebenso Zäune und die von vielen Menschen dieser Stadt genutzte Freebox vor dem Haus zersägt. Mittlerweile ist sie wieder provisorisch aufgebaut und kann weiter genutzt werden.

Über die gesamten Fällarbeiten sind wir sehr verwundert und verärgert. Mitte Oktober gab es eine Absprache mit den Vertretern des Landes, dass die Fällungen so spät wie möglich und nicht vor Mitte Januar stattfinden würden, was so auch vom TMWWDG selbstverfassten Protokoll festgehalten ist. Angeblich hatte das Land die Bewohner*innen per Einschreiben vorab informiert, eine entsprechende Benachrichtigung lag bis zum heutigen Morgen jedoch nicht vor. Wegen den Absperrungen auf dem Parkplatz hatten wir am Montag noch bei der Landesvertretung angerufen, wo auch nach mehrmaligen Nachfragen keine Hinweise auf das Vorhaben gegeben worden sind. Unserer Meinung nach wurden wir absichtlich nicht eindeutig informiert, die Aktion noch vor Morgengrauen geplant, um mögliche Proteste zu verhindern. Trotz dieses Vorgehens konnten einige Bäume erhalten bleiben.

Video mit den Sägearbeiten über den Köpfen von Menschen, die darunter stehen

Mit diesem Tag haben wir das Gefühl, dass die Stadt und das Land es den Insulaner*innen ungemütlich machen und den psychischen Druck erhöhen wollen, noch während das Haus mietrechtlich geschützterweise bewohnt und belebt ist. Die heutige Vorgehensweise lehnen wir als unverhältnismäßig, gefährlich und unnötig ab. Am Samstag, den 15.12. von 15 bis 22 Uhr planen wir voraussichtlich auf dem Holzmarkt eine Kundgebung, auf der auch die heutigen Geschehnisse diskutiert werden und mit einem kulturellem Rahmenprogramm gegen den noch immer ersatzlos geplanten Abriss der Insel protestiert werden wird.

Zusammengefasst: Wir wollen keinen Campus verhindern, sondern in Jena einen Ort für die unkommerzielle, freie Kulturszene erhalten. Hunderte Leute gehen seit über zehn Jahren bei uns ein und aus, helfen, gestalten, leben. Seit 2011 verhandeln wir mit der Stadt und seit 2017 mit dem Land, bislang ergebnislos. Deswegen gehen wir nicht einfach. „Ohne Ersatz kein Inselplatz!“

Für weitere Informationen: https://www.facebook.com/InselBleibt/

Autoren: Kirsten Limbecker und Clemens Leder

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