Stellungnahme des Wagner e.V. zum kommunikativen Umgang des Landes und der Stadt mit dem Verein und anderen lokalen soziokulturellen Akteuren

Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit unterstützen wir die Bestrebungen, die obere Etage des Gebäudes in der Wagnergasse 26 für andere Vereine und Initiativen nutzbar zu machen. Uns selbst ist dies seit Jahren ein Anliegen, jedoch wurden diese Bemühungen seitens des Pächters, dem Studierendenwerk Thüringen, immer wieder blockiert. Als Gründe hierfür wurden vor allem brandschutzspezifische Bedenken genannt, welche wir nachvollziehen können. Eine Nutzung der Räume sollte nur unter geeigneten Bedingungen geschehen.

Auf dieser Grundlage empfehlen wir eine Teilsanierung des Obergeschosses, da so unsere täglichen Veranstaltungen weiterhin stattfinden können und die Vereinsarbeit nicht gefährdet wird. Mit ca. 250 Veranstaltungen im Jahr und dem Ziel der Förderung studentischer Kultur tragen wir seit fast 20 Jahren maßgeblich zur Attraktivität dieser Stadt, vor allem für junge Menschen, bei. Aufgrund dessen erhielt unsere Spielstätte 2017 die „APPLAUS – Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten“ von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien. Ein buntes und vielfältiges Programm ist jedoch keine Selbstverständlichkeit – es steht und fällt mit den Menschen und Vereinen, die sich tagtäglich ehrenamtlich dafür einsetzen. Eine gesunde Kulturlandschaft macht eine Großstadt erst interessant.

Für uns ist es daher unverständlich, wie achtlos mit der Zukunft wichtiger Teile der Jenaer Kulturlandschaft auf Stadt- und Landesebene umgegangen wird. Sozio-kulturelle Vereine in Jena sehen sich zunehmend durch Platzmangel bedroht und oft scheint es als würden den Vereinen und Initiativen absichtlich Steine in den Weg gelegt werden. Es wird halbherzig nach Lösungen gesucht, aktuell zum Beispiel im Fall des Wagenplatzes Radaue oder der Initiative Inselplatz 9a. Letzterer wurde kürzlich unser
Obergeschoss für mögliche neue Vereinsräume vorgeschlagen – bedauerlicherweise ohne Einbeziehung des Wagner e.V., was die Insel aufgrund der bereits erwähnten Sicherheitsmängel ablehnen musste.
Trotzdem sehen wir uns mit Gerüchten konfrontiert und die Darstellung inden lokalen Medien leistet dabei keine Abhilfe. Das Café Wagner wurde hier zuletzt als mögliche Alternative angepriesen, erneut ohne Rücksprache mit uns als derzeitige Nutzer des Objektes. Wir haben den Eindruck, zwar Zentrum des Gesprächs zu sein, aber leider nicht Teilnehmer.

Unsere Zukunft ist uns immer unklarer, was in erster Linie der fehlenden Kommunikation zuschulden ist. Die Ausschreibung der oberen Etage als Wohnraum für die Insel überraschte uns sehr und wir fragen uns, ob wir deshalb bald vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Generell gestaltet sich das Wohnen über einer täglich genutzten Spielstätte als schwierig. Wir fragen uns außerdem, ob das Studierendenwerk einer Bereitstellung der oberen Etage als Wohnraum zustimmt, oder ob es so zu einem möglichen Pächterwechsel kommen könnte. Dem stehen wir grundsätzlich offen gegenüber, wir möchten aber darauf hinweisen, dass der Erhalt der Spielstätte unser oberstes Anliegen ist. So würden wir uns auch sehr über die Möglichkeit freuen, selbst Pächter des Hauses zu werden. Zwar sind wir bereits ein unabhängiger Verein, was mancher gerne vergisst, doch würde unsere Kulturarbeit durch den Zuspruch des Pachtverhältnisses erleichtert werden. Wir möchten den Ort weiterhin für studentische Kultur erhalten und mit verschiedenen Initiativen und Nutzern teilen, entwickeln und beleben können.

Mit freundlichen Grüßen
Vorstand des Wagner e.V.

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