Wie eine wilde Sau wird das Thema Wachstum nun durch Jena getrieben. Gemeint ist ein Wachstum, welches vor allem weitere notwendige Steuereinnahmen für die Stadt bedeutet, denn Jena leistet sich, laut einer aktuellen Studie, jetzt schon einen Verwaltungsapparat, welcher sich jedoch erst bei einer Einwohnerzahl von weiteren ca. 10000 Bürgern rechnen würde bzw. als angemessen gelten würde.

Eine qualifizierte Debatte zum Wachstum gab es bisher leider weder in den Ausarbeitungen der Verwaltungen, noch des neuen OB´s, der dies explizit zu seinem Thema erklärt hat, noch in den politischen Debatten im Stadtrat. Vor allem fällt am meisten auf, dass der Bürger dabei überhaupt keine Rolle mehr spielt. Wachstum wird eben jetzt beschlossen und Punkt. Mensch, ist das einfach. Das muss einem doch gesagt werden. Ironie aus!

Zum Glück werden die Tage langsam wieder länger und dadurch wird es auch heller, hoffentlich auch in den scheinbar noch zu erleuchtenden Köpfen einiger Verantwortungsträger in Jena. Zeichnet sich dabei jetzt dann doch schon Panik ab? Immerhin haben wir fast 5000 Stundenten in den letzten Jahren verloren. Gerne werden solche Zahlen immer mal aufgehübscht dargestellt, aber Statistik lügt nun mal nicht. Im Rahmen einer aktualisierten Schwarmstadtstudie wird es wohl auch nicht mehr lange dauern, bis uns Erfurt überholen wird. Den größten Sprung nach vorne hat Erfurt schon mal hingelegt.

Eine Ursachenforschung findet in Jena nicht statt. Und eine Debatte, wie dies wieder zu ändern wäre, auch nicht. Ich glaube nicht, dass auch nur einer in Jena glücklich darüber ist, so viele junge Leute verloren zu haben. Was kommt denn dann noch? Die Alten aus dem Umland und aus Deutschland, denn Jena ist ja eigentlich noch immer eine schöne Stadt und hat eine schöne Region anzubieten. Natur eben, pur….Noch stopfen wir die Lücken mit Familien (nennt man heute Fachkräfte), die Wohnungsmietpreise steigen aber weiter und auch das macht sich immer stärker bemerkbar im Weggang vor allem junger Familien. Jena will also sichtlich keine Universitätsstadt mehr sein. Anders kann man sich das nicht erklären. Wo soll dann aber das Wachstum herkommen, wenn die “Jungen” die Stadt verlassen?

Sollte aber Denken und Handeln für die Zukunft Jenas nicht bedeuten, endlich wieder auch über Zukunft nachzudenken und dementsprechend zu handeln? 2019 wird ein Wahljahr und ich hoffe sehnlichst, dass vielleicht doch einmal mehr kluge junge Leute dann in die Politik gehen, um ihre Zukunft mitzugestalten. Ich finde mich ja schon fast selber zu alt dafür. Und die Alten sollten auch bitte Platz machen für die Jungen. Wenn wir es nicht schaffen, die jungen Menschen wieder stärker für Politik und Demokratie zu interessieren und vor allem ihnen auch die Möglichkeit einräumen, mitzumachen, wird das hier nichts mehr mit Jena.

Und wenn die Parteien und auch die Verwaltung nicht endlich verstehen, wie wichtig die Zivilgesellschaft im Rahmen demokratischer Prozesse ist, wird es der parlamentarischen Demokratie regelrecht an den Hals gehen. Demokratie sind eben nicht nur die Wahlen, sondern vor allem alles dazwischen. Also Jugend – empört Euch!

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