Wenzel in der alten Oper in Erfurt. Hans-Eckardt Wenzel & Band stellten ihre neue CD “Wo liegt das Ende dieser Welt” vor. Wer Wenzel kennt und mag, darf in seinen Texten Hintergründiges erwarten. Wenzel kenne ich seit der Wende, irgendwie schon komisch, erst danach, obwohl ich hier im Osten geboren bin. Angefangen hatte es 1986 mit “Feinslieb, stirb mit mir ein Stück”. Seitdem war Wenzel einfach nicht mundtot zu kriegen.

Jetzt ist er mit seiner neuen CD weicher und ruhiger geworden. Endlich, werden einige sagen, mir war er sowieso immer zu politisch. Wortgewaltig, poetisch, manchmal melancholisch, aber immer unverwechselbar, sowohl mit seiner Musik als auch mit seiner Stimme, brannte er sich bei mir immer ins Hirn und regte mich “noch mehr” zum Nachdenken an.

Aber dieses Mal war es anders. Ja, auch ich bin älter geworden. Ich warte fast täglich darauf, dass mein Nachwuchs anfängt, doch endlich die Welt zu retten. Wir als Wendegeneration, ich bin jetzt 51 Jahre alt, fühlten uns immer dafür verantwortlich. Aber jetzt, wo wir älter geworden sind, frage ich mich, was ich denn letztendlich erreicht habe. Und dann kommt Wenzel mit dem Lied “Wo liegt das Ende dieser Welt”… “das wachsen der Wüsten, baumlos und müde, als wenn wir es nicht wüssten, die Erde uns geliehen wart…”

Sind wir also doch nochmal dran, weil die “Jungen” es einfach nicht gebacken bekommen? Alle reden, wenige machen etwas. Erschreckend! Muss ich mir mit 51 noch Gedanken darüber machen? Ja, ich denke schon, denn jetzt geht es erst rein in die zweite Lebenshälfte. Aber, wir zerstören im Moment massiv unsere Welt, wie wir es in dieser Geschwindigkeit noch nie auf der Erde erlebt haben. Aber, wir gucken zu, weil wir noch an die heilende Kraft des Systems glauben? Nein, eigentlich nicht wirklich! Jetzt wird jeder gefragt sein und vor allem muss es lokal und regional passieren.

Meine Heimat Jena wird in Flammen stehen, wenn wir jetzt wirklich nur noch auf Wachstum, Wachstum, Wachstum setzen. Nein, wir müssen unser Leben jetzt endlich bewusster leben können. Bedingungen müssen dafür vor Ort geschaffen werden. Das aktuelle System mit seiner Geschwindigkeit hilft gerade nicht wirklich dabei. Wir müssen wieder lernen, Demut vor dem Leben zu haben. Vielleicht weniger Internet, vielleicht wieder EINFACH MEHR LEBEN. Vor allem aber laute Debatten und Diskussion führen. Wenn wir uns nicht vor Ort stark machen, über die ganze Welt müssen wir dann auch nicht reden.

ALSO, WO LIEGT DAS ENDE DIESER WELT! Aber mit Sicherheit fängt das “Ende dieser Welt” zuerst bei uns selber an!

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