Jena. Wie in jedem Jahr, wenn sich der Sommer nähert, stehen zahlreiche Veranstaltungen in der Saalestadt an. Dabei darf das Flutlicht Festival natürlich nicht fehlen! Dieses geht in diesem Jahr bereits in die neunte Runde. Vom 14.-16. Juli wird auf der Rasenmühleninsel wieder einiges geboten!

Das Flutlicht Festival ist ein kollektiv organisiertes Festival, das sich als friedlicher Protest gegen Verdrängung, Gewalt und menschenfeindliche Positionen versteht. Hinter der Organisation steht der Verein Hintertorperspektive, der sich vor allem aus jungen Fußballfans des FC Carl Zeiss Jena zusammensetzt. Gestemmt wird das Festival von vielen Ehrenamtlichen, was dem Flutlicht seinen ganz besonderen Charakter verleiht.

Für die Organisator*innen des Festivals scheinen Veranstaltungen wie das Flutlicht wichtiger denn je, vor allem in Bezug auf die aktuelle stadt- und landespolitische Situation. In Jena vernetzten sich alternative und gegenkulturelle Projekte und Freiräume, um gemeinsam gegen eine konservative und Freiräumen feindlich gesinnte Politik der Stadtoberen und -verwaltung anzukämpfen.
Bekanntermaßen versteht sich die Hintertorperspektive als Teil der Südkurve und bezieht eine klare Position für den Erhalt von Freiräumen in Jena. Das Festival ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil dieser alternativen und Gegenkultur in Jena, sondern schafft einen Raum, um Strukturen mit anderen zu vernetzen und auch für Jenaer*innen zu öffnen, die bisher nur wenige Berührungspunkte mit verschiedenen Subkulturen hatten . Für ein Wochenende wird die Rasenmühleninsel zu einem Freiraum und die Hintertorperspektive lädt alle Freund*innen, Gleichgesinnte und Sympathisant*innen ein, gemeinsam zu feiern, zu diskutieren und einfach ein entspanntes Wochenende zu verbringen. So soll gemeinsam ein Beitrag dazu geleistet werden, die Stadt selbstbestimmt zu gestalten.

Aus diesem Grund hat die Hintertorperspektive neben all den Vorträgen, Inputs und Diskussionen in diesem Jahr eine Ausstellung zu alternativen und gegenkulturellen Projekten und Räumen in Jena zusammengestellt. Dabei stellen sich viele dieser Projekte und Räume selbst vor. Die Ausstellung ist ein Versuch all diese bestehenden und auch vergangenen Projekte und Räume aufzuzeigen und so einen Überblick darüber zu vermitteln, was es alles so in Jena gibt. Dabei natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit!

Auch auf Landesebene stehen im September Parlamentswahlen an die wohl richtungsweisend für die Zukunft der Thüringer*innen sein wird. Das Festival wird auch genutzt, um auf die menschenfeindlichen Positionen der AfD aufmerksam zu machen jedoch ohne dabei für andere Parteien zu werben!

Inhaltlich hat die Hintertorperspektive wieder ein buntes Programm vorbereitet. Der Freitag startet mit einem Vortrag von Mobit zu der “Neuen Rechten” im “Kulturkampf” gegen die Demokratie. Am Abend gibt es zudem einen Input zum Begriff des Freiraums und eine Diskussion was darunter verstanden werden kann. Samstag geht es los mit einem Vortrag zu rechten Lebenswelten in Fußballfankulturen, der sich an die gleichnamige Broschüre anlehnt. Am Nachmittag werden Einblicke in polizeiliches Arbeiten durch eine kritische Polizeiforscher*in gegeben. Hierbei wird insbesondere auch auf die Besonderheit von Fußballeinsätzen und ihren Zusammenhang mit Einsätzen bei Demonstrationen eingegangen werden. Den abendlichen Vortrag findet zu Fußball und Fankultur in Syrien statt – eine Empfehlung sowohl Fußballinteressierte als auch uninteressierte! Der Sonntag wartet gewohnheitsgemäß mit einer Diskussion auf, bei der wie immer alle eingeladen und aufgefordert sind sich aktiv zu beteiligen. Thema wird in diesem Jahr Erhalt, Weiterentwicklung oder Neustart in Sub- und Gegenkulturen sein. Dabei werden verschiedene Generationen aus der Südkurve, aber auch anderen Szenen in Jena gemeinsam mit dem Publikum diskutieren.

Natürlich hat auch das Bühnenprogramm des diesjährigen Festivals wieder einiges zu bieten. Am Freitag eröffnen die Jungs und Mädels von Kornblumenblau (einige kennen sie vielleicht aus der Kurve) den Tag. Weiter geht es mit feinstem Ska und Vibration Syndicat, einer bunten Thüringer Mischung. Den Abend runden zwei internationale Künstler ab: Pleasure Trap aus Warschau heizen mit rotzigen Mod Soul ein, bevor Mark Foggo aus Holland den Abend tanzend ausklingen lässt. Das sollte sich niemand entgehen lassen, denn vor allem die letzten zwei Bands werden in Jena so schnell wohl nicht wiedergesehen.

Der Samstag beginnt mit seichten Reggae Beats von Dread Skin Kick Box aus Stuttgart. Weiter geht es am Tag mit klarem politischen Oi von Noihaus, RavePunk von Akne Kid Joe, welche zuletzt erst im Kassablanca begeisterten, und der „Nachholshow“ der T-Killas aus Aschaffenburg, welche eigentlich schon 2017 ihren Flutlicht Auftritt haben sollten, dann aber krankheitsbedingt absagen mussten. Wer dann noch immer nicht genug hat zieht weiter zur Aftershow, wo es dann elektronisch und mit jeder Menge Rap bis zum Morgen weiter geht. Am Sonntag ist der Platz vor der Bühne wieder ganz in Kinderhand: ab 16:00 erwartet die Kleinsten das Stück „Vom Fischer und seiner Frau“. Also Kinder eingepackt und ab ins Paradies. Eis, Kaffee und Kuchen stehen bereit.

Neben Musik und inhaltlichen Slots, wird es natürlich auch wieder bestes Essen von der VoKü, Getränke, Kinderprogramm und ganz viel Platz zum rumkullern und entspannen geben. Wie gewohnt findet am Sonntagvormittag ein Fußballturnier statt, für dass sich bereits jetzt angemeldet werden kann. Da es im letzten Jahr einen riesigen Anlauf gab, wird auch in diesem Jahr am Samstag ab 14:30 eine Stadionführung angeboten, die sich auch für schon langjährige Fans lohnt und einen Einblick in alle Bereiche des Stadions geben wird.

Ein weiteres Highlight, dass im Rahmen des Flutlicht-Festivals eröffnet wird und in den folgenden zwei Wochen in Jena zu sehen ist die Fan.Tastic Females – Football Her.Story Ausstellung. In der Ausstellung geht es um weibliche Fankultur und Frauen im Fußball. Dabei wird sowohl ein historischer Kontext gegeben als auch Interviews von Frauen aus über 30 europäischen Ländern gezeigt, darunter auch zwei aus Jena. Durch die Ausstellung sollen Frauen im Fußball sichtbar gemacht werden. Feierlich eröffnet wird die Ausstellung am Samstag um elf Uhr mit einer Führung im Anschluss.

Ein weiteres – wenn auch nicht direkt mit dem Festival verknüpftes – Event am Wochenende ist ein Benefiz-Spiel zum 20-jährigen Jubiläum vom ehemaligen Spieler und jetzigen Nachwuchskoordinator, Stefan Treitl beim FCC. Dabei wird ein Stefan-Treitl-All-Star Team, u.a. mit Bernd Schneider gegen eine Fanauswahl antreten. Alle Gewinne gehen in das Projekt “Südkurve für die Zukunft” und somit direkt in den FCC-Nachwuchs. Anpfiff ist am Sonntag um 11 Uhr auf Platz 3 im EAS.

Wie in jedem Jahr sind bei dem Flutlicht Festival alle willkommen, die sich dem Grundkonsens der Hintertorperspektive anschließen und nicht in der Vergangenheit durch menschenfeindliche Äußerungen aufgefallen sind. Einen Eintritt gibt es – wie üblich – nicht.

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