Wort zum Tag von Pfarrer Dr. Christoph Rymatzki vom Lutherhaus Jena

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Liebe Besucherin, lieber Besucher auf der Homepage des Kirchenkreises,

es ist wieder soweit, Palmsonntag. Da packe ich immer meinen Koffer, seit über 20 Jahren und mache mich auf die Reise in die Wohnzimmer und an die Krankenbetten der Gemeindeglieder, um Hausabendmahl zu feiern. Denn die Karwoche ist traditioneller Termin für das Abendmahl. Und wer es nicht mehr in die Kirche schafft, da feiern wir es daheim.
Aber das geht derzeit nicht, doch die Corona-Krise ist ein willkommener Anstoß, das traditionelle Abendmahl der Karwoche in der jetzigen Situation nochmal mit ganz anderen Augen anzuschauen, denn: Abendmahl ist Panik-Prävention!

Wie meine ich das? Den Jüngern stand die Gefangennahme Jesu, seine Hinrichtung und evtl. eine eigene Verfolgung bevor. Doch bevor es soweit war, sucht Jesus einen besonderen Ort der Ruhe und der Abgeschiedenheit für sich und die Seinen auf und feiert mit ihnen das Abendmahl.

Er blickt mit ihnen gemeinsam der Gefahr ins Auge. Er spricht von seinem Tod, von dem Scheitern der Jünger und eröffnet ihnen den Blick dafür, dass es weiter gehen wird. Gemeinsam schaut man dem Tod ins Auge und Jesus verabreicht ihnen Medizin, Arznei für die Seele. Speis und Trank als Stärkung für die Reise in eine neue Zeit. Und wie wirkt diese Medizin?

1) Jesus erklärt den Jüngern, dass das Leid einen Sinn hat,
2) er bevollmächtigt sie für eine neue Aufgabe und
3) öffnet ein Tor der Hoffnung für eine neue Perspektive.

Jesu Abendmahl war das gemeinsame Innehalten vor dem Sturm. Die Panik ist unter den Jüngern dann doch ausgebrochen. Aber das Abendmahl half ihnen als erstes wieder, den Bogen zu schlagen und zu verstehen und zu verarbeiten. Nicht ohne Grund sind viele erste Osterbegegnungen mit dem Brechen des Brotes verbunden, wo ihnen die Augen aufgingen und die letzten Zweifel verschwanden: er ist es leibhaftig auferstanden.

Abendmahl als Panik-Prävention. In Gottes Gegenwart schaut man der Gefahr ins Gesicht und schaut durch die Gefahr hindurch. Deshalb auch das Abendmahl am Krankenbett. Man schaut in Gottes Gegenwart der Gefahr ins Gesicht und schaut hindurch, blickt weiter und sucht für sich Frieden mit dem was war, was ist und was kommt.

Und so könnte das Abendmahl in der Corona-Zeit auch eine Panik-Prävention für uns sein. Nun kann man schlecht privat sein Abendmahl feiern, aber was im Abendmahl geschieht, kann auch so geschehen, indem wir – wie Jesus mit den Jüngern – eine Zeit und einen Ort der Ruhe daheim bestimmen, eine Kerze anzünden und uns Gottes Gegenwart bewusst werden und vor seinem Angesicht der Gefahr ins Auge schauen, unsere Ängste für uns und für liebe Menschen in Worte und in ein Gebet fassen, auch die Ängste für die Kleinigkeiten im Alltag eng beieinander, uns Gott für diese Zeit anbefehlen und Stille lassen, um auszusprechen, was jeden in dieser Zeit stört, bewegt oder auf die Nerven geht. Aber all das bewusst vor Gott auszusprechen und uns der Verantwortung für diese besondere Zeit bewusst zu bleiben und zum Abschluss ein Vaterunser sprechen. Man kann auch als Agape-Mahl ein Stück Brot rumreichen „Brot des Lebens für Dich“, um uns bewusst zu bleiben: Speise als Stärkung für die Reise in eine neue Zeit, als Arznei für die Seele.

Wir dürfen erwarten, dass in diesen Auszeiten im kleinsten Kreis sich die Wirkung dieser Medizin entfaltet: Sinn erschließt sich, wir werden uns der tragenden Gemeinschaft bewusst und ein Tor der Hoffnung kann sich öffnen in eine neue Zeit.

Und wenn wir dann nach der Krise wieder in die Kirche kommen und zusammen das Abendmahl feiern dürfen, ergeht es uns vielleicht wie den Jüngern nach Ostern als Jesus mit ihnen das Brot bracht und sie sich an diese Zusammenkunft am Gründonnerstag erinnerten, an diese Panik-Prävention, die ihnen geholfen hat zu verstehen, was kommt. Und auch uns kann dann bewusst werden: diese Zeit um die Kerze bei gebrochenem Brot hat uns geholfen, durchzukommen, geduldig zu bleiben, aufeinander Acht zu haben und es war eine gute Panik-Prävention.

Ich wünsche Ihnen Gottes Segen für die Karwoche.

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