Verpackungskünstler verklagt Jena wegen verhüllten Ampeltastern

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Jena. Die “Signal-Anforderungsgeräte” (Ampeltaster) wurden in der Karwoche auf Anordnung des Stabs für außergewöhnliche Ereignisse (“Krisenstab”) mit Absperrband versehen. Der zuständige Sicherheitsdezernent ordnete an, dass alle Fußgängerampeln mit dem rot-weißen Band verhüllt werden. Offenbar befürchtet der Leiter des Krisenstabes, dass die beiden Fußgänger, die sich auf die Straßen verirren, durch eine Schmierinfektion eine Durchfallerkrankung erleiden könnten. Für das neuartige Corona-Virus gibt es bekanntlich keine Nachweise für diesen Übertragungsweg. In der Begründung des Krisenstabes wird jedoch die Schmier- und nicht die Tröpfcheninfektion angenommen. Sei’s drum: Der Eigenbetrieb Kommunalservice Jena (KSJ) klebte und entfernte nach nur zwei Tagen wieder Faustische “Verweilverbote” und verhüllte aktuell elegant die gelben Anforderungsgeräte an den Lichtsignalanlagen.

Neben der Mund-Nase-Bedeckungspflicht (“Das Phantom der Oper” lässt grüßen) für die weniger attraktive Bürgerschaft der Universitätsstadt wird nun ein zweites Experiment der Kunstszene ausprobiert: Verhüllen von Gegenständen wie einst Christo und Jeanne-Claude den Reichstag in Berlin. Es war jedoch wenig durchdacht. Der Faulloch-Redaktion liegt ein Schreiben des Verhüllungskünstlers vor, der nicht nur den Ideenklau beklagt, sondern auch Tantiemen für die nicht genehmigte Kunstaktion verlangt. “Ein solch unprofessionelles Verhalten einer Stadt habe ich nicht einmal in Berlin erlebt”, so der Künstler. Und damals wurde in der Bundeshauptstadt gestritten, ob das Verhüllen überhaupt einen künstlerischen Wert habe. Man irrte sich in Berlin, die Leute versammelten sich zu Tausenden, um vor dem Reichstag das Verhüllen und den verhüllten Reichstag zu sehen.

In Zeiten der wirtschaftlichen und künstlerischen Not wollte man in Jena der braven Bevölkerung etwas Buntes in ihren tristen Alltag mitgeben. Gut gedacht, schlecht gemacht, möchte man meinen. Der Krisenstab war für eine Stellungnahme bis zu Redaktionsschluss nicht erreichbar. Vielleicht wird gerade über eine Öffnung der öffentlichen Toiletten nachgedacht, damit notdürftige Personen sich nicht an den (mutmaßlich mit Bakterien übersäten) Türgriffen anstecken. Oder für ein Verbot des Masketragens in Fahrzeugen, damit die “Blitzerfotos” eindeutig zuordnenbar sind.

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