Plädoyer – Bürger machen Stadt

Mitdenken – Mitmachen – Mitgestalten – Mitregieren

Dieses Plädoyer ist ein Diskussionsangebot, ein Beginn und eine veränderliche Grundlage für das Konzept eines Umgehens der Jenaer Bürger mit ihrem unmittelbaren Lebensumfeld. Es soll kontinuierlich weiterentwickelt werden, es ist unser Ziel, ureigenste Inhalte, Visionen und Vorhaben der Jenaer und Jenenser zur Aussprache und zum Ausbau zu stellen. Wir rufen alle Stadt- und Umkreisbewohner auf, sich konstruktiv mit Vorschlägen und sachlicher Kritik einzubringen.

Selbstverständlich sind Interessierte oder Erfahrungs- Einbringer von “Außerhalb” ebenfalls herzlichst in unseren hoffentlich schnell wachsenden Kreis eingeladen.

Wie viele Ideen und Visionen wurden vom einzelnen Bürger oder kleinen Bürgergruppen bereits spontan entwickelt und letztlich verworfen, weil es weder eine tragfähige Plattform für einen Austausch mit Gleichinteressierten gab, noch die nötigen Kontakte zu Fachleuten oder kommunalen / juristischen Ressortspezialisten hergestellt werden konnten? Wir wollen diese Vereinzelung der bürgerlichen Kreativität beenden, indem wir eine Basis schaffen, auf der sich Interessensverbindungen herstellen lassen, Einzelkonzepte und Ideen möglicherweise gesamtstädtisch ausgebaut und tragfähig, bestenfalls umsetzbar gemacht werden.

An virtuellen, miteinander vernetzten “Stammtischen” soll vorgeschlagen, diskutiert und nachvolziehbar niedergelegt werden, was einem definierten Interessentenkreis für Stadt und Umland auf den Nägeln brennt, welche Träume man von seiner hineingeborenen Wahlheimat hat, welche mittelständischen und sozialen Vorstellungen man gern mit Gleichgesinnten besprochen hätte.

– Sie haben einen eigenen Vorschlag? Stellen Sie ihn uns vor und zur Diskussion!

– Ihnen gefällt ein Vorschlag nicht? Was schlagen Sie vor!

– Sie betrachten eine Idee kritisch? Schreiben Sie uns, kommentieren Sie!

Wir wollen es möglich machen, dass jeder interessierte Bürger Jenas die Chance bekommt, seine eigenen Vorschläge, Ideen und Konzepte für Jena einem größeren Kreis von Mitdenkern und Disputanten vorzustellen und in zielführenden Diskussionen auszubauen.

DAS PLÄDOYER

Der Bezug zur Heimat, der artikulierte Bürgerwille und das Gefühl des Aufgehobenseins in “unserer Stadt” schwindet. Eine mutige, aber leider nicht von der Hand zu weisende Behauptung. Statistiken, denen man eine hohes oder vielleicht etwas niedriger angesiedeltes Vertrauen schenken kann, verweisen in den letzten Jahren auf eine wachsende Zahl von ehemaligen oder Noch- Einwohnern, die am wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Stillstand einer eigentlich als dynamisch bekannten Stadt resigniert sind und unserem Jena den Rücken gekehrt haben.

Gründe für diese oft klientäre Abwanderung gibt es viele:

– ein stagnierendes Angebot an sozialverträglich bezahlbarem Wohnraum

– widersinnige und nicht mehr zeitgemäße Verkehrs- und Nahverkehrskonzepte

– restriktive und wenig bürgernahe Verwaltungs- und Eigenbetriebsarbeit

– ökologisch und stadtentwicklerisch fehlorientierte Bau- und Infrastrukturpolitik

– politische Randgruppenhofierung und Klientelpolitik zum Nachteil der Allgemeinheit

– ausschließlich Zielgruppen favorisierende Angebote in öffentlichen Räumen

Es wird zunehmend wichtiger, den Bewohnern einer Stadt wie Jena die bürgerliche Initiative zurückzugeben, die Planung, Kalkulation und Überwachung gesellschaftsrelevanter Maßnahmen und Vorhaben heraus aus den Hinterzimmern der Verwaltung zu holen und für den Einzelnen nachvollziehbar zu machen.

Erstes und vornehmstes Ziel ist die Darstellung unserer lösbaren Probleme im kompletten Spektrum verwalterischer und parlamentarischer Wirkungen von Entscheidungen sowie offensichtlicher Fehlentwicklungen im gesellschaftlich- sozialen Bereich. Weil der erste Schritt zu einer Problemlösung immer das Erkennen und die Analyse erfassbarer Themenbereiche sein muss, sollte es dem Interessierten zuerst möglich gemacht werden, auch stadt- und gesellschaftsentwicklerische „Nebensächlichkeiten“, die in Vorhaben der Verwaltung und im Diskussionsrahmen der parlamentarischen Vertretung oft als Randnotizen dargestellt werden, in ihrer tatsächlichen Tragweite erkennbar zu machen und mögliche, offenbar zu verschweigende Nutznießer darzustellen.

Neben der Erklärung von fiskalen Verlautbarungen, die oft hinter Formulierungen prekäre Entwicklungen maskieren, sollen vor allem Notwendigkeiten und neue Ideen im Bereich Bau, Neubau, privat- und Öffentlicher Nahverkehr, ökologischer Stadtumbau, Resilienzprojekte, städtische und damit auch touristische Attraktivität, Kultur, Mikroklima- Projekte und energetische Autarkie- Vorhaben thematisiert werden. Diese benannten Sach- und Fachbereiche sind nur als erstes Grundgerüst für Themenbereiche zu verstehen, auf dem über Vorschläge, Kalkulation und Umsetzungsplanung weitgehend schlüssige Bürgerprojekte dargestellt werden können. Ein Ausbau, eine strukturelle Gliederung nach gewünschten oder notwendigen Wirkungsbereichen sowie die dauernde Vernetzung zusammenhängender und sich gegenseitig wechselwirkender Ressorts ist damit leichter und konstruktiv wirksamer herzustellen, als wenn Ideen nur eher halbherzig diskutiert und vielleicht vorschnell an nur scheinbaren Widerständen scheiternd „zu den Akten gelegt“ werden.

Zuletzt ist und bleibt die Teilnahme an diesem Vorhaben mit einem entscheidenden Label versehen: Es soll entgegen der oft erleb- und erleidbaren Praxis keine digitale Runde von elitären Fachkräften oder Fachgebiets- Spezialisten hergestellt werden, kein alters- und bildungsbegrenztes Kränzchen von Denkern und Machern, sondern ein Sammelbecken für an Lösungswegen interessierte Bürger, ein lockeres, bürgerschlaues und zielstrebiges Bündnis mit dem Fokus auf einer bürgerinitiierten, zeitnahen und rundum akzeptablen Lösungsfindung für existente und entstehende Aufgaben.

In den Bürgern unserer Stadt steckt ein kreatives, soziales, aber leider zunehmend schlafendes Potential zündender Ideen und teilweise bereits konkret darstellbarer Projekte, die eine Öffentlichkeit und tragfähige Umsetzungsstrategie geradezu verdienen.

Der Wecker klingelt, Jenenser und Jenaer, es ist und wird höchste Zeit, unser natur- und gesellschaftsgegebenes Rüstzeug wieder aus der Trägheits-Ablage zu holen!

Ihr und Euer Arne Petrich